1. Sanfte Wellen

Latte Macchiato (Italienisch für gefleckte Milch) hat fast etwas Meditatives: Kaum hat der Kellner das Glas auf den Tisch gestellt, lässt sich eine langsame Wellenbewegung an der Grenze zwischen Milch und Kaffee beobachten. Diese ist viel gemächlicher als die von Wasser, das man hin- und herschaukelt. Ursache ist beide Male die Schwerkraft, die an der Flüssigkeit zieht wie ein Gummi. Kaffee und Milch haben - anders als Wasser und Luft - aber nur einen geringen Dichteunterschied, daher wirkt die Erdanziehungskraft auf beide fast gleich stark. Die Kraft, die die Grenzschicht ins Gleichgewicht zieht, wird dadurch verringert, die Schicht schwappt wie in Zeitlupe.

2. Vielschichtig

Milch, Kaffee, Milchschaum: Wenn man ihn richtig zubereitet, hat Latte Macchiato drei Schichten. Das liegt an der unterschiedlichen Dichte der Zutaten. Die größte Dichte hat Milch - obwohl sie mehr Fett enthält als Kaffee und eigentlich oben schwimmen sollte. Aber der Kaffee ist heißer und daher stärker ausgedehnt. Das verringert seine Dichte, und so schwimmt er über der Milch. Der Milchschaum besteht zum großen Teil aus Luft, hat die niedrigste Dichte und krönt deshalb den Latte Macchiato.

3. Ein Hauch von Katzenurin

"Kaffee ist aus chemischer Sicht das komplexeste Getränk, das wir zu uns nehmen", sagt Chemieprofessor Klaus Roth von der Freien Universität Berlin. 700 Inhaltsstoffe der Kaffeebohne verbinden sich beim Rösten zu tausenden Aromen. Der drittstärkste Aromastoff des Kaffees riecht nach Katzenurin, trägt aber zum typischen Kaffeeduft bei. Verkohlte Partikel verleihen dem Kaffee nach dem Rösten sein tiefes Braun: Sie schlucken Licht.

4. Bitte nicht pusten

Wie kühlt man den Latte auf Trinktemperatur ab? Pusten hilft nicht, der Schaum wirkt wie eine Isomatte. Der lange Löffel kühlt nach dem Eintauchen einmalig durch Temperaturaustausch und leitet danach konstant etwas Hitze nach außen ab, beides ist aber kaum merkbar. Am meisten Wärme wird ganz allmählich durch das Glas abgeführt. Also abwarten und Tee trinken!