Gene sind nicht unser Schicksal, aber sie sagen eine Menge über uns aus. Je mehr wir darüber wissen, wie die genetischen Bedingungen unser Potenzial, unser Temperament und unsere Schwächen formen, umso mehr werden wir dieses Wissen dazu einsetzen, die Natur unserer Kinder zu beeinflussen. Das wird die Art und Weise verändern, wie wir uns vermehren, viel mehr noch, als es vor 50 Jahren die Geburtenkontrolle getan hat.

Der Fortschritt wird uns drei Möglichkeiten geben, die Gene unserer Kinder zu beeinflussen: Klonen wird die am wenigsten radikale sein, weil man damit nur kopiert, was bereits existiert. Die Aufregung darüber ist nicht entstanden, weil die Vorstellung zeitversetzt geborener eineiiger Zwillinge bedrohlich erscheint, sondern weil geklonte Menschen ein Symbol für die fremden Dinge sind, die auf uns zukommen.

Vor wirkliche Herausforderungen wird uns zunächst weder das Klonen stellen, das in etwa zehn Jahren möglich sein, aber eher ein Schattendasein fristen wird, noch die Genmanipulation. Mit ihr wird der Mensch seine Erbanlagen verbessern, aber wohl erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

In den nächsten Jahrzehnten wird uns der Fortschritt der Präimplantationsdiagnostik (PID) beschäftigen, die heute schon benutzt wird, um Erbkrankheiten wie die Zystische Fibrose zu erkennen. Bei der PID wird eine Zelle eines 6- bis 8-zelligen Embryos entfernt und getestet, abhängig vom Ergebnis wird der Embryo dann eingepflanzt oder nicht. Die fortgeschrittene PID der nächsten Generation wird ihr Augenmerk nicht auf Krankheiten richten, sondern auf Persönlichkeit, Temperament und Aussehen des Kindes.

PID-Verbote wie das in Deutschland wird es noch eine Weile geben. Doch sie werden abgeschafft werden - aus praktischen Gründen: PID lässt sich in Tausenden von Labors durchführen und ist später nicht nachweisbar. Verbote treiben nur den Preis in die Höhe und die Kliniken in den Untergrund, sodass die PID den Reichen vorbehalten bliebe.

Bald werden junge Frauen in den entwickelten Ländern Tausende von unreifen Eizellen einfrieren lassen. Wenn sie dann einen Partner haben und Kinder wollen, werden sie diese Eier auftauen, im Reagenzglas befruchten und sich schließlich diejenigen einpflanzen lassen, die sie und ihr Partner ausgewählt haben.

Eine solche künstliche Empfängnis wird bald nicht ungewöhnlicher sein als heute ein Krankenhausaufenthalt. Und die Paare werden die zufällige, unkontrollierte Befruchtung als primitiv und leichtsinnig ansehen, insbesondere wenn sie sich trotz aller staatlichen Anreize nur ein einziges Kind wünschen.