Am Anfang von Al Gores Film über den Klimawandel versucht der für seine Steifheit bekannte ehemalige Vizepräsident der USA, einen Witz zu erzählen. In einem plüschigen Theater erwartet das Publikum seine Powerpoint-Präsentation über den Treibhauseffekt. Gore stellt sich in die Mitte der Bühne, wartet, bis der Applaus abebbt, und sagt dann: "Ich heiße Al Gore, und ich war einmal der nächste Präsident der USA."

Gore verzieht keine Miene dabei, nicht einmal seine Augen deuten ein Lächeln an. Im Publikum hört man nur ein paar vereinzelte Lacher (der Schnitt des Films, der von Gore-Freunden in Hollywood produziert wurde, ist sehr vorteilhaft für ihn). Die Szene verdeutlicht einen Wesenszug von Al Gore, der ihn seit dem Beginn seiner Karriere plagt. In der Rolle des öffentlichen Politikers hat er sich nie wohlgefühlt. Viel lieber diskutiert er hinter den Kulissen oder schreibt Bücher wie seinen Bestseller Wege zum Gleichgewicht.

Wenn man Gore heute begegnet, scheint er sich mit den Jahren kaum verändert zu haben. Beim Mittagessen im Ritz-Carlton-Hotel in San Francisco - Cheeseburger und Eistee - wirkt er nur ein wenig stämmiger als zu seiner Zeit im Weißen Haus. Inzwischen ist allerdings die Vorstellung, Gore könnte doch einmal der nächste Präsident der USA sein, gar kein Witz mehr.

Einige einflussreiche Strippenzieher und auch Gore-Vertraute lancieren die Idee, er könnte 2008 noch einmal antreten, zumal die als Kandidatin gehandelte Hillary Clinton es sich mit vielen verscherzt hat. Gore will allerdings nicht über seine Kandidatur spekulieren, nach einem Schluck Eistee lässt er die Frage an sich abperlen: "Ich bin nicht mehr in der Politik, und ich habe keine Absichten, zurückzukehren."

Dabei ist es schon bemerkenswert, dass Gores mögliches Comeback überhaupt diskutiert wird. Vor knapp sechs Jahren, nach seiner demütigenden Niederlage gegen George W. Bush - eine Niederlage, die viele eher als Unterwerfung ansahen, weil Gore sich nicht vor dem Obersten Gerichtshof gegen die krude Taktiererei der Bush-Mannschaft wehrte -, sah es so aus, als sei Gores Karriere vorbei.