Seinen Jungfernflug hat das Weltraumlabor Columbus schon hinter sich. Er führte im Mai aber nicht ins All, sondern an Bord eines Transportflugzeugs von Bremen nach Cape Canaveral in Florida. Anfang September wurde Columbus dort staubdicht verpackt, Anfang 2008 soll das Labor zur Internationalen Raumstation (ISS) starten.

So ist es jedenfalls geplant. Doch nach Plan läuft der Aufbau der in 400 Kilometer Höhe um die Erde kreisenden ISS längst nicht mehr. Eigentlich sollte Columbus schon seit November 2004 im Orbit schweben. Doch als der Spaceshuttle Columbia am 1. Februar 2003 während seiner Rückkehr aus dem All verglühte, war klar, dass daraus nichts wird.

Das fast fertig gestellte Weltraumlabor wurde erst einmal wieder zerlegt, um die mehr als 300 Ingenieure, die Columbus gebaut hatten, zu beschäftigen. Sonst hätten viele gekündigt, und ihr Know-how wäre beim Start nicht mehr verfügbar. Der Bau des Labors hatte schon eine Milliarde Euro gekostet, da machten die weiteren 100 Millionen für das "Überbrückungsprogramm" auch nichts mehr. Und wieder stellten die Mitgliedsstaaten der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) einen Scheck aus.

"Für die Ingenieure ist die Wartezeit frustrierend", sagt Columbus-Koordinator Helmut Luttmann vom Hersteller EADS Space in Bremen. Und nicht nur für sie. Rund 1900 Wissenschaftler haben Experimente aus Medizin, Biologie, Physik und Materialwissenschaft für den europäischen Teil des Weltraumlabors vorbereitet, manche davon schon vor über zehn Jahren. Leicht angestaubt ist auch der Columbus-Zentralrechner. Er arbeitet noch mit 486er-Prozessoren.