Im Handumdrehen entsteht der Phonograph: Thomas Alva Edison kritzelt am 18. Juli 1877 eine Skizze hin und lässt seine Werkstatt das Gerät noch am selben Tag bauen, zwei Jahre vor seiner Erfindung der Glühlampe. Der Schall ist hier ein Mal noch schneller als das Licht. Und weil die lautspeichernde Walze keinen Strom braucht, kommt alsbald St. Georgen ins Spiel. Tief im Schwarzwald sitzen jene Tüftler, deren mechanische Werke das Verstreichen der Zeit nicht nur anzeigen, sondern auch mit lauter Stimme zu quittieren wissen. Die Kuckucksuhr - sie steht dem Plattenspieler Pate!

Bevor Elektrizität den Gleichlauf Carusos garantiert, tut es der Federantrieb mit seinen Fliehkraftreglern. Und als der Strom im 20. Jahrhundert endlich den Schwarzwald erreicht, werden Chronometer und Elektromotor flugs in einem dualen Antrieb vereint. So kommt's zur Firma Dual, späterhin der größte Phono-Hersteller Deutschlands, 3000 Mitarbeiter, bis - o weh! - zur Markteinführung der CD.

Geblieben ist St. Georgen das Museum im Souterrain seines Rathauses aus Waschbeton. Zu sehen sind Apparate aus den 100 Jahren, die das langsame Auf und plötzliche Ab des Plattenspielerbaus umspannen: von den handgefertigten Walzen hin zu den industriell gepressten Platten, von Stanniol über Wachs zu Schellack und Vinyl, von den riesenhaften Trichtern zu den wuchtigen Truhen, von 78 Umdrehungen hinunter auf 45 und 33. Darüber hinaus gibt es Exponate, deren Kühnheit bis heute Eindruck macht: das Grammophon im Schwarzwaldhaus mit dem Plattenteller unterm aufklappbaren Strohdach. Oder die von Kerzen erhellte Laterne, die lederriemengetrieben vor dem Mündungsrohr des Grammophons rotiert. Die Urmutter der Discokugel.

Sehen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Video Das Phono-Museum St. Georgen von Horst-Günther Kurkutsch, Manfred Manal, Berthold Seliger"

Deutsches Phono-Museum, Hauptstr. 9, 78112 St. Georgen im Schwarzwald, 07724/87-187