Das Werkzeug

Der Job eines Mascara-Bürstchens ist beinahe eine mission impossible. Es soll jede Wimper mit einer gut haftenden Farbe überziehen, dabei überschüssige Masse abstreifen und gleichzeitig verhindern, dass die Härchen aneinander kleben. Und das alles auf engstem Raum: Allein am oberen Lidrand sitzen bis zu 250 Wimpern, die sechs bis zwölf Millimeter lang und wenige Hundertstelmillimeter dick sind. Dies war bislang das größte Problem für ein Bürstchen, dessen Nylonfasern immer kräftiger sind als die Wimpern selbst. Die Fasern werden in der Herstellung zwischen einen U-förmig gebogenen Draht gelegt, der dann verdrillt wird. Dadurch sind sie nie parallel zur Tuschrichtung angeordnet. Das daraus folgende Drama deckte der deutsche Hersteller Geka vor einiger Zeit mit einer Spezialkamera auf: Die Wimpern gelangen nicht richtig in die Zwischenräume des Bürstchens. Das Problem wird nun mit unterschiedlichen Querschnitten bekämpft (unten). Die Faserspitzen werden angeschliffen, um sie schmaler zu machen. Die in Deutschland entwickelten Kunststoffbürstchen werden im Spritzgussverfahren hergestellt (blau und gelb, oben), laut Bernd Fellner von Geka "erreichen sie in den kommenden Jahren sicherlich einen Marktanteil von 50 Prozent". Ihre Fasern bestehen in der aufwändigsten Variante aus thermoplastischen Elastomeren, die in eine beliebig gestaltbare Form gepresst werden (gelb). Dieses so genannte Moltrusionsbürstchen kann mit sehr dünnen Faserspitzen hergestellt werden.

Die Farbe

Wimpern sind auch nur Haare. Durch Feuchtigkeit werden sie biegsam und können dadurch besser geformt werden. Deshalb besteht Mascara zu rund 60 Prozent aus Wasser. Hinzu kommen 15 Prozent Wachse (für Glanz und Viskosität), 10 Prozent Pigmente (die Farbe), 5 Prozent Filmbildner sowie Verdicker, Emulgatoren und eventuell Vitamine. Wimperntusche, die "für mehr Schwung" sorgt, enthält mehr Filmbildner, der die nach oben gebogenen Wimpern fixieren soll. Elastizität, Viskosität, Trockenzeit und Haftkraft sind laut Frank Schwanke von Beiersdorf die entscheidenden Kriterien für gute Mascara. Die Masse soll flüssig genug sein, um alle Wimperchen zu umhüllen, aber gleichzeitig nicht zu schnell trocknen oder gar klumpen. Außerdem soll sie gut haften, "keine Waschbärenaugen machen", wie Schwanke sagt, und trotzdem beim Abschminken leicht zu entfernen sein. "An einer Neuentwicklung", sagt er, "arbeiten wir ungefähr ein Jahr."

Die Tricks

Viele "verlängernde" Mascaras nutzen einen Trick: Kaum eine Wimper ist von Natur aus bis zur Spitze pigmentiert. Das Tuschen macht Farbloses sichtbar. Tatsächlich verlängernde Tusche enthält Wachspartikel oder Nylonfasern, die sich am Haar anlagern, verrät L'Oréal. Bei zweiphasigen Produkten enthält die weiße Unterschicht die verlängernden Fasern, die zweite Phase übermalt die verlängerten Wimpern.

Zum Thema
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