Das Weltklima des Jahres 2050 ist schwerer zu prognostizieren als das von 2100. Am Ende des Jahrhunderts wird die Erde so heiß sein wie seit 55 Millionen Jahren nicht mehr, in den Tropen ungefähr fünf Grad wärmer als heute, auf der Nordhalbkugel acht Grad. Das Jahr 2050 aber liegt mitten in der Phase des Klimaumschwungs, dessen Eintreffen von mehreren Faktoren abhängt. Sicher ist nur: Er wird heftig sein.

Könnten wir eine Zeitreise ins Jahr 2050 unternehmen, dann fielen uns zuerst die Veränderungen in der Arktis auf. Weil es im Polarmeer kein schwimmendes Eis mehr geben wird, könnten wir mit dem Segelboot bis zum Nordpol fahren. Die Meeresspiegel werden noch längst nicht ihren Höchststand erreicht haben. Aber Sturmfluten wie die von New Orleans werden häufiger und heftiger sein. Es wird große Ströme von Klimaflüchtlingen geben. Bangladesch, ein Land mit 150 Millionen Menschen, wird womöglich unbewohnbar sein. Indien wird diese Flüchtlinge nicht aufnehmen wollen, und viele von ihnen werden nach Europa kommen.

Wenn es schlimm kommt, wird der Klimawandel die Menschheit an den Rand des Aussterbens bringen: Ein paar Überlebende werden sich in die bewohnbaren Gebiete am Polarkreis flüchten und eine neue Zivilisation gründen. Wird es eine industrialisierte Gesellschaft sein? Ich bezweifle es. Gut möglich, dass sie wieder als Bauern, Jäger und Sammler leben.

Der Einzelne kann sich kaum auf die Klimakatastrophe vorbereiten. Die Reichen werden beginnen, Grundbesitz in der Arktis zu kaufen. Die Mehrheit der Menschen ist jedoch bei der Klimavorsorge von den Politikern abhängig, und die tun so gut wie nichts. Sie sollten einmal hinüber in die Niederlande schauen: Dort werden schon jetzt Notfallpläne ausgearbeitet, und man überlegt, welche Landesteile dem steigenden Meer überlassen werden und wo die Deiche verstärkt werden. Deutschland und Großbritannien sind dagegen kaum vorbereitet auf Flüchtlingsbewegungen und ökonomische Verwerfungen. Millionenstädte wie Hamburg und London könnten in einigen Jahrzehnten überflutet sein. Warum gibt es noch keine Umsiedlungspläne?

Immerhin hat jetzt sogar US-Präsident Bush zugegeben, dass sich die Erde erwärmt, und ich warte darauf, dass er oder seine Nachfolger das Klimaproblem als Herausforderung annehmen - wie einst das Rennen zum Mond.