1. Wie entwickelt sich das globale Klima?

Sicher ist: Es wird wärmer. Weniger klar ist: Um wie viel Grad, und wie schnell? Welche Mengen an Treibhausgasen wird die Menschheit noch in die Luft entlassen, und wie werden Atmosphäre, Biosphäre und Ozeane darauf reagieren? "Die globale Erwärmung wird bis 2050 wahrscheinlich zwischen 1 und 1,5 Grad Celsius betragen", sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Im Entwurf für den nächsten Klimabericht der Vereinten Nationen, der im Mai vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangte, gehen die Autoren von einem Temperaturanstieg zwischen 2 und 4,5 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts aus. Mehrere hundert Klimaforscher haben sich auf diese Spanne verständigt. In jedem Fall wäre die Atmosphäre dann so warm wie seit mehreren Jahrmillionen nicht mehr.

Von der industriellen Revolution bis heute stieg die globale Temperatur um 0,8 Grad Celsius, mit bereits deutlich spürbaren Folgen. Nach erdgeschichtlichen Maßstäben verläuft der Klimawandel damit atemberaubend schnell. Wohin das laufende Fieber-Experiment mit der Erde führen wird, lässt sich schwer voraussagen, sagt Malte Meinshausen vom Nationalen Zentrum für Atmosphärenforschung der USA (NCAR) in Boulder, denn: "Wir sind die Ersten, die es durchführen."

Die Schlüsselgröße der Klimaprognostik ist die so genannte Klimasensitivität. Sie misst, wie stark eine Verdopplung des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre die globale Durchschnittstemperatur erhöht. Ein Team der Universität Oxford unternahm vor zwei Jahren mit 90 000 vernetzten Computern den bisher ehrgeizigsten Versuch, die Klimasensitivität abzuschätzen, und kam auf eine Spanne zwischen 1,9 und 11,2 Grad Celsius - wobei am ehesten eine Drei vor dem Komma zu erwarten ist und alles, was vier Grad deutlich übersteigt, äußerst unwahrscheinlich ist.

Die meisten Projektionen gehen davon aus, dass der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre - er liegt derzeit bei 0,037 Prozent - irgendwann in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts das Doppelte seines vorindustriellen Stands erreichen wird. Die weite Spanne zeigt die Unsicherheit der Simulationen. Wäre die Erde eine lichtbeschienene Kugel, dann wäre Klimaforschung eine einfache Angelegenheit. Aber sie schlingert durchs Sonnensystem, hat Gebirge, Meere und Wüsten. Ein Hauch mehr Meeresbrise wirft Schaumkronen auf, die einen wesentlichen Anteil des Sonnenlichts zurück ins All werfen. Und jeder Kondensstreifen eines Flugzeugs kann sich zu einem Wolkenfeld auswachsen - das je nach Gestalt aufheizend oder kühlend wirken kann.

2. Wird es in Deutschland wärmer oder kälter?

Dass sich diese Frage überhaupt stellt, liegt an der großen Unbekannten der Klimaforschung: dem Nordatlantikstrom. Dieser verlängerte Arm des Golfstroms transportiert Wärme aus den Tropen nach Norden. Die Leistung entspricht rund einem Drittel der Strahlungsleistung, die Westeuropa direkt von der Sonne bekommt.