Paul Flecknell ist Professor am Zentrum für vergleichende Biologie an der Universität Newcastle und der weltweit führende Experte für Schmerzforschung und -bewältigung bei Labortieren. Er ist Mitglied einer Arbeitsgemeinschaft der Laboratory Animals Science Association (LASA) und des Animal Procedures Committee (APC), die Schmerzprotokolle für Versuchstiere entwickelt.

Wie erkennt man, dass ein Tier Schmerzen leidet?

Paul Flecknell: Wir nehmen an, dass Tiere mit einem hinreichend hoch entwickelten Nervensystem Schmerzen empfinden können. Wir gehen weiter davon aus, dass Bedingungen, die uns Menschen Schmerzen verursachen, bei Tieren dieselbe Wirkung haben. Diese "prophylaktischen" Annahmen sind ein guter Ansatzpunkt der Schmerzforschung. Aber sie reichen nicht aus, Grundlagen für die Schmerzerkennung und Schmerztherapie zu schaffen. Dazu müssen wir in der Lage sein, individuelle Schmerzen zu diagnostizieren und festzustellen, wie stark sie sind. Wir versuchen, sie durch Verhaltensmerkmale nachzuweisen.

Tiere leiden also Schmerzen wie Menschen?

Man muss sich vor anthropomorphen Kriterien hüten. Die Annahme, dass Tiere Schmerzen empfinden, weil Menschen es tun, darf nicht zu der Annahme führen, sie würden in gleicher Weise darauf reagieren. Bei Menschen macht die emotionale Komponente Schmerzen so unangenehm. Die Experten sind sich uneinig, welche Rolle dieser Aspekt bei Tieren spielt. Manche Forscher gehen so weit, zu behaupten, Tiere fühlten gar keine Schmerzen in der Art, wie wir sie empfinden.

Sind manche Tierarten schmerzempfindlicher als andere?

Vermutlich ja. Aber es ist schwierig, darüber ein definitives Urteil zu fällen. Ich persönlich bin der Ansicht, dass Tiere mit den am höchsten entwickelten Hirnen, zum Beispiel Primaten, schmerzempfindlicher sind als andere Arten. Aber ich will da gar kein Ranking aufstellen, das würde bei Laborversuchen nur zu einer Einstellung führen nach dem Motto: "Das macht ja nichts, das sind ja nur Mäuse."