Auf der Herrentoilette im Londoner Flughafen Stansted gibt es einen Föhn zum Händetrocknen. Er röhrt wie ein Porsche und bläst wie ein Orkan. Daneben hängt ein Schild: "Dieser hocheffiziente Föhn verbraucht 80 Prozent weniger Energie als ein herkömmlicher und schont so die Umwelt." Gezeichnet: British Airports Authority (BAA), der Betreiber der britischen Flughäfen. Was dort nicht steht: Wer gleich nach dem Händetrocknen in den Billigflieger steigt, kann sich hier noch so lange die Hände geföhnt haben – er kann die durchs Fliegen verursachte Menge an Kohlendioxid (CO 2 ) nicht mehr einsparen.

Der Flugverkehr ist zu einem Problem geworden. Er verursacht etwa drei Prozent der europäischen Treibhausgasemissionen, mehr als alle Föhne dieser Welt. Bis 2020 wird er sich wohl verdoppeln. Und die BAA will ihre Flughäfen weiter ausbauen.

Der Föhn offenbart die Doppelmoral im Umgang mit dem Klimawandel. Unternehmen tun nur was, wenn es ihnen nicht wehtut. Hauptsache, über die guten Taten lässt sich reden. Ebenso trennen viele von uns zwar brav ihren Müll, jetten aber zur Erholung rund um die Welt. Ein Flug auf die Kanaren und zurück verursacht pro Person eine so große Menge Treibhausgase wie ein Durchschnittseuropäer sonst in einem Vierteljahr. Hallo? Begreift denn niemand, wie ernst die Lage ist?

Um ehrlich zu sein: Auch zwei ZEIT Wissen- Redakteure saßen für die Recherche zu dieser Ausgabe im Flugzeug.

Im Februar legt der Klimarat der Vereinten Nationen seinen Bericht vor. Alles deutet darauf hin, dass die Menschheit weiter auf die Katastrophe zusteuert. Viele haben resigniert. 40 Prozent der Deutschen glauben laut einer repräsentativen Emnid - Umfrage für ZEIT Wissen , sie könnten nichts gegen den Klimawandel tun. Deprimierend – einerseits. Andererseits hat sich in den vergangenen Monaten etwas verändert. Deutschland diskutiert CO 2 -Vorgaben für Autos. Großbritannien ist im Klimaschutzrausch. In den USA, dem Paradies der Energieverschwender, hat die größte Supermarktkette eine Kampagne für Energiesparlampen gestartet. (Übrigens: Das Licht dieser Lampen ist kuscheliger geworden, kaufen Sie mal wieder eine!)

Für diese ZEIT Wissen- Ausgabe haben wir Menschen gesucht, die etwas gegen den Klimawandel tun. Es gibt sie. Menschen, die nicht darauf warten, dass Amerika eines Tages das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. Die nicht auf den G8-Gipfel oder die UN vertrauen. Sie legen einfach los. Ein paar von ihnen stellen wir vor, von der Familie auf CO 2 -Entzug über den ergrünten Gouverneur Arnold Schwarzenegger bis hin zum Klimaaktivisten mit dem Notfallplan für uns alle. Sie zeigen: "Wir retten die Welt" ist keine Phrase mehr.