Die Wissenschaft hat festgestellt, / Dass Margarine Koks enthält. / Drum essen wir auf jeder Reise / Margarine säckeweise . Schulkinder singen es seit Jahrzehnten auf Klassenfahrten. Aber noch besser passt das Kinderlied von den seltsamen Zutaten im Essen bald zum Einkaufen im Supermarkt.

Da gibt es heute schon Dinge mit bizarren Namen im Regal: Margarine mit Phytosterinen – soll den Cholesterinspiegel senken. Brot mit Omega-3-Fettsäuren – soll gut sein fürs Herz. Joghurt mit probiotischen Bakterien – stärkt angeblich die Abwehrkräfte.

All das ist sogenanntes Functional Food: Lebensmittel mit einem vermeintlichen Zusatznutzen für die Gesundheit. Angereichert mit Ballaststoffen, Vitaminen oder Bakterien, sollen sie den Käufer gesünder machen – und den Hersteller reich.

Und das ist erst der Anfang. Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé sichtet mehr als 2000 Bakterienkulturen nach neuen Stämmen für Joghurts, die er gern als gesundheitsfördernd bezeichnen würde. Unilever, im Supermarkt mit Marken wie Knorr, Rama und Langnese vertreten, experimentiert mit Milcheiweißen und Pflanzenstoffen, die den Blutdruck und den Cholesterinspiegel senken. In den USA wird Coca-Cola demnächst Diet Coke plus mit Mineralstoffen und Vitaminen auf den Markt bringen, in Österreich gibt es den konzentrationsfördernden Trinkjoghurt tutgut im Kühlregal, in Deutschland hat Europas größter Backmittelhersteller vor einigen Monaten ein cholesterinsenkendes Brot eingeführt.

Bislang allerdings wird der Konsument allein gelassen mit den Versprechen der Lebensmittelindustrie. Ob sie stimmen oder nur in der Fantasie von Werbeleuten existieren, ist schwer zu durchschauen. Doch das könnte sich bald ändern: Laut einer neuen EU-Verordnung, die von Juli an gilt, muss die Industrie ihre Behauptungen künftig mit wissenschaftlichen Studien belegen.