Wenn Angst so mächtig ist , warum sorgen 60 Prozent der Deutschen nicht ausreichend fürs Alter vor? Eine mögliche Erklärung liefert eine Studie des Princeton-Forschers Samuel McClure. Er bat Studenten, unter Stress zu wählen, ob sie lieber einen Amazon-Gutschein im Wert von 15 Dollar sofort oder einen 20-Dollar-Gutschein vier Wochen später haben wollten. Obwohl niemand unmittelbar Bücher kaufen wollte, griffen einige zu – und verspielten so fünf Dollar. Und auch dieses Mal sahen die Forscher den Gehirnen beim Denken zu.

Wann immer jemand den "Spatz in der Hand" wählte, blitzten auch die dopaminbeherrschten Areale im älteren Teil des Hirns auf. "Da signalisiert etwas: Greif zu, lass ja nichts liegen!", vermutet McClure. Das habe in grauer Vorzeit durchaus Sinn ergeben, als lebenswichtige Güter knapp waren. "Heute aber müssen wir mit der unterschwelligen Lust auf schnelles Geld leben." Vielen falle es daher schwer, zu sparen, da sie ja unmittelbar auf Dinge wie das neue Auto oder den Urlaub verzichten müssten. Insofern seien verpflichtende Renten- und Krankenversicherungen notwendig, "sie schützen die Menschen vor einem zu impulsiven Verhalten", sagt McClure. Sein Rat wird einigen Politikern nicht passen: Baut die Sicherungssysteme aus!

"Das ist nur ein Weg, Menschen vor sich selbst zu schützen", sagt Richard Peterson. Am besten sollte man auch alle, die auf Geld zu emotional reagierten, von der Börse fernhalten. "Wer trotzdem spekulieren will, sollte sich von der Idee des perfekten Marktes verabschieden – und die herrschende Unvernunft ausnutzen."

Das will Peterson perfektionieren. Er hat ein Programm geschrieben, das im Internet die Finanzteile von Zeitungen durchsucht. "Dort stehen die Meldungen, die die Menschen verängstigen oder gierig machen", erklärt er. Die Software wertet die Nachrichtensprache aus und zählt die positiven und negativen Einschätzungen zu einzelnen Aktien. Immer wenn die Skepsis gegenüber einem Wert gerade nachlässt, kauft sie ihn automatisch. Und wenn die Euphorie gerade weicht, verkauft sie ihn wieder. Pro Transaktion mache er so ein Viertelprozent Gewinn, behauptet Peterson. "Nicht viel, aber es summiert sich." Wie genau das System funktioniert, will er aber lieber geheim halten. Wenn jeder das Prinzip kenne, funktioniere es nicht mehr, sagt er. "Es zu verraten wäre einfach unvernünftig."

Reich an Gefühlen. Die besten Links zum Thema "

ZEIT Wissen - Das Magazin im Netz "

Finanzen - Alles über Geld und Märkte "