"Die Menschen damals waren sicher abgehärteter als wir", vermutet Olli. "Sie wussten auch viel besser über das Wetter Bescheid." Er jedenfalls zog sich, wenn er zum Feuer oder zu den Tieren musste, ein Wildschweinfell über den Kopf.

Weil es so kalt war, bollerte der Ofen die ganze Zeit – bis die Konstruktion aus Holz und Lehm durchbrannte. Fortan musste das Feuer draußen brennen. Ausgehen durfte es nicht, denn wie sollte man es in dieser Nässe wieder anfachen? "Als uns das Feuermachen beigebracht wurde", erzählt Olli, "zog der Archäotechniker ein Plastikbeutelchen raus, in dem er den Zunderschwamm aufbewahrte, und sagte: ›Haltet das immer trocken. Holt es nur raus, wenn ihr Feuer macht.‹ In der Steinzeit gab es aber kein Plastikbeutelchen!"

Feuer machten die Ötzis von damals, indem sie Pyrit gegen Feuerstein schlugen und die Funken mit einem Bausch Zunderschwamm auffingen. Dieser Baumpilz beginnt, wenn er trocken genug ist, sofort zu glimmen. Besonders wenn man ihn vorher mit Stickstoff behandelt – Urin zum Beispiel, oder Jauche. Wie solches Wissen wohl erstmals auftauchte? Ob damals einer mal versehentlich auf seinen Zunderschwamm gepieselt hatte und am nächsten Tag staunte, wie rasch die Flammen züngelten?

Aber auch die modernen Ötzis erwiesen sich als findig. "Das Feuer ging nie aus", erzählt Olli stolz. Feuchtes Holz, das selbst nicht brannte, schichteten sie als Regendach über das Feuer. So gab es auch nach der längsten Nacht noch ein wenig Glut.

An Herausforderungen herrschte kein Mangel: Nicht nur, dass die Expertenmeinungen, wie die Ledermokassins bei diesem Matschwetter zu pflegen waren, auseinandergingen. Schlimmer noch: Bereits nach einer Woche waren sie durchgelaufen. "Die waren damals wohl nur barfuß unterwegs", spekuliert Olli, "und griffen bloß zu Schuhen, wenn es richtig kalt wurde."

Auch Ötzi wird seine Bergstiefel nicht die ganze Zeit getragen haben, vermutet Archäologe Leuzinger: "Auf nassem Gras rutschten die weg." Dafür bewährten sie sich wegen ihrer großen Sohle als erstklassige Schneeschuhe. Das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens bescheinigte der aufwendigen Konstruktion – oben Hirsch-, unten Bärenleder, ein Innennetz hält das Strohpolster an seinem Ort – erstaunlich gute Atmungsaktivität und Kälteisolierung.

In dem Maße, in dem bei den Probe- Feuersteins Hornhaut und Wissen wuchsen, begannen sie sich für das Steinzeit-Equipment zu begeistern. Olli schwärmt von den Klingen aus Feuerstein, härter als Stahl und scharf wie Skalpelle. "Ich schlachte zu Hause unsere Schafe selbst", erzählt er. Dabei müsse er das Messer immer wieder über den Wetzstahl ziehen. Nicht so mit der Steinzeitklinge. Einem Schwein zog er die Haut ab, zerteilte Schinken und Schwarte und durchtrennte auch die Rippengelenke – ohne einmal nachzuschleifen.