Im Körper von Verliebten herrscht Ausnahmezustand. In den Hirnregionen, in denen unsere Motivations- und Belohnungszentren liegen, steigt der Spiegel des Botenstoffs Dopamin stark. Das bewirkt die typischen Symptome der Verliebtheit: Wir sind euphorisch, haben kaum noch Hunger, platzen vor Energie. Das Stresshormon Noradrenalin verstärkt den Effekt des Dopamins und verbessert offenbar auch das Erinnerungsvermögen, sodass wir uns oft noch nach Jahrzehnten an die ersten Erlebnisse als Frischverliebte erinnern. Dass die Gedanken zwanghaft um die neue Eroberung kreisen, liegt am Serotonin. In der richtigen Konzentration macht uns dieser Botenstoff ausgeglichen, fand die italienische Psychiaterin Donatella Marazziti heraus. Im Blut von Verliebten aber sinkt er auf ein ähnlich niedriges Niveau wie bei Menschen mit einer Zwangserkrankung. Je mehr Dopamin und Noradrenalin ausgeschüttet werden, desto weiter sackt der Serotoninspiegel in den Keller. "Verliebte sind zwanghaft besessen", schließt die New Yorker Anthropologin Helen Fisher. Marazziti führt die Verbindung von Stress und Verliebtheit auf die Anstrengung zurück, die es bedeutet, einen ursprünglich Fremden so nah an sich heranzulassen und die Angst vor Neuem und vor Verletzung zu überwinden. Die Italienerin beobachtete außerdem, dass sich die Testosteronspiegel von Mann und Frau in den ersten Monaten der Beziehung angleichen: Bei Männern sinkt die Konzentration des Lusthormons; bei Frauen, deren Spiegel normalerweise sehr viel geringer ist, steigt sie. Wahrscheinlich soll das Männern helfen, ihre Lust auf diese eine Frau zu beschränken, und Frauen genug Lust machen, um ein Kind empfangen zu können.