„Die bessere Vorsorge für mein Kind“ – mit diesem Spruch bewirbt ein Frankfurter Biotech-Unternehmen seine Gen-Tests für Neugeborene. Die Eltern können ihre Sprösslinge damit nach der Geburt auf Unverträglichkeiten testen lassen, etwa auf Milchzucker (Laktose), einen Bestandteil von Getreidemehl (Gluten) oder bestimmte Antibiotika. Für den Test muss noch nicht einmal Blut abgenommen, sondern lediglich mit einem Wattestab Zellen der Mundschleimhaut abgekratzt werden – was problemlos die Eltern tun können. 400 Euro kostet der Test, die die gesetzlichen Krankenkassen nicht übernehmen – die Eltern müssen das Verfahren also selbst bezahlen.

Bisher werden standardmäßig alle Kinder im Rahmen des sogenannten Neugeborenen-Screenings auf bis zu zwanzig erbliche Stoffwechsel-Krankheiten getestet. Dafür wird den Babys an ihrem dritten Lebenstag etwas Blut abgenommen und im Labor auf bestimmte Werte untersucht. Die Kosten für die Untersuchung übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen.

Bei der neuen Untersuchungsmethode der Firma Humatrix hingegen wird kein Blut untersucht, sondern Erbgut in Schleimhautzellen. Die Befürworter der Methode sagen, dass mit dem Test schwere Folgeerkrankungen vermieden werden können, bevor Symptome auftreten. Die Eltern könnten beispielsweise ihr Kind laktose- oder glutenfrei ernähren, wenn der Gentest eine Unverträglichkeit auf diese Stoffe aufdecken würde. Eine Krankheit zu vermeiden sei außerdem volkswirtschaftlich günstiger als ihre Folgen zu behandeln, so die Firma.

Gegner des Tests hingegen befürchten, dass die Untersuchungen keine Gewissheit geben könnten, sondern meist nur den Hinweis auf eine genetische Anfälligkeit für die untersuchten Krankheiten. Der Test könne nicht sagen, ob die Erkrankung auch tatsächlich ausbreche. Eltern und Angehörige würde das Ergebnis massiv verunsichern. Es könnte sogar noch Probleme bereiten, wenn die Betroffenen längst erwachsen sind. Nämlich dann, wenn eine private Krankenversicherung aufgrund des negativen Tests die Beiträge höher ansetzt, oder eine Lebensversicherung Betroffene aufgrund ihrer genetischen Vorbelastung gar nicht erst versichert.

Stimmen Sie ab! Würden Sie einen solchen Gentest bei Ihrem Baby machen lassen?

Pro und Kontra

Der Biologe Klaus Koch hält die Gentests für reine Abzocke, der Gynäkologe André Rotmann, sagt, dass ein gesundheitlich unbedenklicher Test den Eltern auf keinen Fall vorenthalten werden darf. In der Ausgabe des Magazins ZEIT Wissen 04/2008 werden sie Argumente für und gegen die Neugeborenen-Untersuchung austauschen.