Möglich ist dies laut Ertel und Melcher, weil die rationellen Psychologen zumindest teilweise auf bereits vorhandene Daten zurückgreifen. Seltsam nur, dass das Magazin selbst ein Riesenprojekt wie die Städte-Mutprobe, für die angeblich 3840 Männer untersucht wurden, als "Exklusivstudie" verkauft.

Schwer nachzuvollziehen ist auch die Finanzierung von Ertels aufwendiger Pornostudie, die 1990 als Buch erschien [6] . Demzufolge befragte die GRP fast 6000 Deutsche. Vor allem versorgte sie 2300 Frauen und Männer mit Pornofilmen und verfolgte bis zu 24 Wochen lang mit psychophysiologischen Messungen, wie die Probanden darauf reagierten.

Die Resultate schafften es nicht nur in die Emma, den Spiegel und die ZEIT. Sie wurden sogar vom Brockhaus unter dem Eintrag "Pornographie" zusammengefasst: "Nach neuesten repräsentativen Umfragen zum Konsum von Erotika und P. in der Bundesrep. Dtl. nimmt nur eine Minderheit von P.-Konsumenten pornograph. Abbildungen als Realitätsausschnitt wahr und verwendet sie als direkte Handlungsanweisung (H. ERTEL)" [7] . Auf Deutsch: Männer werden von Pornografie nicht zu frauenverachtendem Verhalten bis hin zu Vergewaltigungen angeregt. Mit diesem Vorwurf forderten Feministinnen damals ein Pornoverbot.

Wer hat die laut stern 1,6 Millionen Mark teure Studie bezahlt? Nicht die Pornoindustrie, "wie der Autor glaubhaft versichert", schrieb Emma 1991, "finanziert wurde sie fast vollständig aus einem Mitarbeiter-Fonds der GRP, in den die Überschüsse aus der gutbezahlten Auftragsforschung fließen" [8] . Heute äußert sich Ertel anders: "Die Beate war sehr großzügig." Die Beate Uhse AG bestätigt auf Nachfrage, es seien "einige Tausend" Mark bezahlt worden. Die Sache bleibt mysteriös.

Auch die Pornostudie basiert auf Messgrößen, von denen Ertel nicht preisgibt, wie sie zustande kommen, darunter ein sogenannter "Aktivierungs-Index". Kunden bekommen die geheimen Formeln ebenso wenig zu sehen wie andere Wissenschaftler. Ertel will sich nur daran messen lassen, ob sich seine Ratschläge bewähren: "Da gibt es den schönen Satz: Wer heilt, hat recht."

Die hemdsärmeligen Methoden des Instituts für Rationelle Psychologie werden von Kunden nicht hinterfragt. "Die Ergebnisse sind in der Regel schlüssig", sagt Walter Koppenhöfer, Marketingleiter der Adler Modemärkte. Ihm hat Ertel Daten zu aktuellen Markttrends geliefert. "Es wird jetzt nicht im Detail hinterfragt: Woher kommt diese Zahl?" Auch bei der Brauerei Veltins war man durchaus zufrieden mit jener Studie, in der Getränken aus Glasflaschen ein höherer Genusswert bescheinigt wurde. Der Bericht gab sich ja auch schwer wissenschaftlich: "Die Intensität des Genusswertes, den ein Getränk für die Konsumenten besitzt, steigt proportional mit der Anzahl der Dimensionen des Getränke-Erlebnisraums." Nur die entscheidenden Angaben zur Auswertung der Daten fehlten wieder mal. "Es ist vollkommen diffus, wie das berechnet wurde", sagt Psychologie-Professor Pietrowsky über den Institutsbericht. "Ich würde das als Gutachter ablehnen."

Fast alle Studien des Instituts sind mangels genauer Angaben nicht nachprüfbar. Doch es gibt eine Untersuchung, in der kein selbst erfundenes Maß verwendet wird, sondern ein geläufiges: der aus Gewicht und Körperlänge errechnete Body-Mass-Index (BMI). Es war ein Vergleich der 50 größten deutschen Städte, aus dem Rostock als "Deutschlands dickste" hervorging, wie Men’s Health im Mai 2005 berichtete.