Vor 30 Jahren hatten Sie eine bahnbrechende Idee: Sie schleusten fremde Gene in Zellen ein. Wie kamen Sie darauf?

Im Grunde war es nicht meine Idee. Es hatte bereits zuvor ein ähnliches Experiment gegeben: Die Forscher gaben das Gen für ein Enzym auf die Oberfläche von Zellen. Doch das brachte fast gar nichts – nur eine von einer Million Zellen baute das Gen in ihr Erbgut ein. Also überlegte ich: Was passiert, wenn man das Gen direkt in den Zellkern injiziert? Es funktionierte fantastisch. Jede dritte Zelle nahm das Gen in ihre Chromosomen auf.

Die Entdeckung war die Grundlage für die genetische Veränderung von Tieren. Inzwischen erforschen Sie auch die menschliche Hirnentwicklung. Offenbar haben Sie ein Faible für die großen Fragen.

Ich arbeite gern an der vordersten Front der Forschung. Wenn viele Wissenschaftler in meinem Gebiet forschen, suche ich mir etwas Neues. Das ist nicht einfach. Wenn man sich zu sehr im Mainstream bewegt, erreicht man nichts Aufregendes, entfernt man sich zu weit, wird es Science-Fiction. Man sollte also so nah wie möglich an der Grenze zum Fantastischen forschen, sie aber nie überschreiten.

Spielt für diese Sichtweise auch Ihre ungewöhnliche Lebensgeschichte eine Rolle?

Ich wurde oft gefragt, wie sehr mich meine schwere Kindheit beeinflusst hat. Doch das kann ich nicht beurteilen. Wir haben alle nur ein Leben, also kann man das nicht experimentell feststellen.

Ihre Mutter wurde in Italien von der Gestapo verhaftet – warum?