Liebe Abonnentin, lieber Abonnent,
es gibt sie noch: die großen Rätsel in der Wissenschaft, die noch nicht gelöst sind. Zwar sind Wissenschaftler manchmal ein bisschen voreilig und verkünden das Gegenteil. So behauptete der Physiker William Thomson im Jahre 1900, in seinem Fach sei eigentlich alles geklärt – bis auf zwei kleine Rätsel. Fünf Jahre später fand Albert Einstein revolutionäre Lösungen für beide: die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik, beide wurden weltberühmt. Doch diese Theorien beantworteten nicht nur die offenen Fragen, sie warfen auch das fast fertige Weltbild der Physiker über den Haufen.

Und so passiert es immer wieder, dass Lösungen für vermeintlich letzte Fragen ein ganzes Fachgebiet umkrempeln. Auch als im Jahr 2003 die Entzifferung des menschlichen Genoms gefeiert wurde, dachten viele Wissenschaftler, jetzt endlich sei eines der größten Rätsel der Menschheit gelöst – nun könne man einfach im "Buch des Lebens" lesen, es waren ja alle Buchstaben da! Sie hatten sich zu früh gefreut. Denn: Aus den Antworten ergaben sich neue, spannende Fragen. Heute sind die Genetiker ratloser denn je: Statt einer übersichtlichen Aufreihung fanden sie im Genom eine konfuse Sammlung von Erbinformationen, deren Zusammenspiel noch niemand versteht.

Manche Rätsel wird die Wissenschaft vielleicht nie lösen können. Doch wo Forscher an die Grenzen des Bekannten stoßen, entwickeln sie einen besonderen Entdeckergeist. ZEIT Wissen stellt in der Titelgeschichte die zwölf wichtigsten Fragen aus Physik, Biologie, Medizin, Mathematik und Geologie vor – und zeigt, wie leidenschaftlich die Suche nach den Antworten sein kann.

Eine anregende Lektüre wünscht

Jan Schweitzer, Chefredakteur ZEIT Wissen