Das Raumschiff scheint zu schweben. Nicht etwa in den unendlich flachen Weiten eines Fernsehschirms. Nein, mitten im Raum. Fast zum Greifen nahe.

Hagen Stolle nimmt die Fernbedienung und dreht an einem Knopf. Das fliegende Ungetüm kommt bedrohlich nahe, es legt sich in die Kurve und verschwindet in der Tiefe des Raumes. Stolle, Technikchef der Dresdner Firma SeeReal, schmunzelt. "Schon einzigartig, nicht?" Die Zuschauer nicken beeindruckt. Was in den dunklen Labors im Dresdner Vorort Johannstadt durch die Luft schwebt, ist eines der ersten farbigen Echtzeit-Hologramme – und möglicherweise die Zukunft des Fernsehens.

Noch sind die Farben matt, das Bild flimmert. Doch die Richtung ist klar: Die nächste Generation von TV-Geräten soll keine flachen Aufnahmen mehr zeigen – sie soll die Welt in all ihren Dimensionen ins Wohnzimmer bringen. "Nächstes Jahr, spätestens aber 2011, könnte das dreidimensionale Fernsehen den Durchbruch schaffen", sagt Jörn Ostermann, 3-D-Experte am Institut für Informationsverarbeitung der Universität Hannover. Hersteller wie Philips und LG haben bereits die ersten dreidimensionalen Geräte angekündigt. Und auch die großen Hollywood-Studios schicken sich an, mit ihren Filmen in die nächste Dimension vorzustoßen.

3-D durch Löcher (klicken Sie auf das Bild für eine Großansicht): Für den Betrachter des Bilds von 3-D-Fernsehern entsteht automatisch ein Fächer mit unterschiedlichen Ansichten (unten). Selbst wenn er den Kopf bewegt, sehen die Augen immer zwei verschiedene Bilder. Eine Lochblende sorgt dafür, dass linkes und rechtes Auge unterschiedliche Pixel sehen (oben). Jeder dieser Bildpunkte zeigt den Film aus einer anderen Perspektive. Das Gehirn macht aus den beiden Aufnahmen ein dreidimensionales Bild © ZEIT Wissen

Bis die Bilder derart plastisch im Raum stehen, wie es die Dresdner Holografie-Forscher erproben, wird allerdings noch Zeit vergehen. Vorerst setzen die 3-D-Hersteller auf eine optische Täuschung, die das Gehirn auch im Alltag auf Trab hält: Etwa 6,5 Zentimeter voneinander entfernt schauen die menschlichen Pupillen in die Welt. Folglich nimmt das linke Auge die Umgebung aus einem etwas anderen Blickwinkel wahr als das rechte. Das Gehirn hat gelernt, aus diesen Differenzen Rückschlüsse auf die Entfernung von Objekten zu ziehen. Ein dreidimensionaler Eindruck entsteht.

Dieselbe räumliche Illusion lässt sich erzeugen, wenn Filme mit zwei Kameras aufgenommen werden – einer fürs rechte und einer fürs linke Auge. Seit Langem experimentieren Regisseure damit. Alfred Hitchcock drehte in 3-D, der Weiße Hai biss bereits dreidimensional zu, selbst deutsche Lederhosen-Filme wie das Ingrid-Steeger-Machwerk Liebe in drei Dimensionen sollten besonders tiefe Einblicke gewähren. Bei allen entstand der 3-D-Eindruck jedoch nur mittels spezieller Brillen. Mal sorgten rot-grüne Gläser dafür, dass beide Augen unterschiedliche Aufnahmen zu sehen bekamen, dann waren es polarisierte Brillen oder elektronische Sehhilfen, die den Blick im Takt der flimmernden Bilder abwechselnd für jedes Auge freigaben.

Nichts für einen gemütlichen Fernsehabend – und entsprechend erfolglos.

Das soll sich ändern. "Die meisten Hersteller versuchen mittlerweile, auf störende Brillen zu verzichten", sagt Ostermann. Statt den Zuschauern verordnen sie den Fernsehgeräten eine Sehhilfe: Autostereoskopische TV-Schirme, wie sie erstmals Grundig und die Jenaer Firma NewSight vor drei Jahren auf der Berliner Funkausstellung vorgestellt haben, nutzen kleine Lochmasken, die vor dem eigentlichen Bildschirm montiert werden. Durch sie erblickt das rechte Auge ein anderes Pixel als das linke.

Allerdings schluckt die Maske viel Licht, die Helligkeit des Bildschirms sinkt um mehr als die Hälfte. Firmen wie Philips setzen daher auf ein anderes Prinzip: Winzige zylindrische Linsen vor dem Bildschirm lenken den Blick des rechten und des linken Auges auf unterschiedliche Pixel. Das Linsenraster kann neun unterschiedliche Bilder ins Wohnzimmer beamen. So ist sichergestellt, dass stets zwei verschiedene Ansichten die Augen erreichen – auch wenn die Zuschauer auf der Fernsehcouch hin und her rutschen.