PRO

Stellen Sie sich bitte mal einen Krebsforscher, einen Rettungssanitäter oder einen Konzertpianisten vor. Angenommen, diese drei könnten ihre Konzentrationsfähigkeit mit einem günstigen Medikament verbessern, und zwar mit ähnlich geringen Nebenwirkungen, wie wir sie für Aspirin akzeptieren. Wäre das nicht ein Vorteil für jedermann?

Wir sind noch nicht so weit. Es gibt zwar Arzneien mit dem gewünschten Effekt, aber ihre Nebenwirkungen bei Gesunden sind ungewiss. Ich kenne kein Land, in dem es Zulassungsregeln für solche Anwendungen gibt. In manchen Ländern ist es sogar illegal, derartige Pillen ohne Rezept einzunehmen.

Aber ob wir es wollen oder nicht, die Menschen werden Fakten schaffen. In den USA besorgt sich bereits eine beachtliche Zahl Studenten diese Pillen. Und laut einer Studie der Krankenkasse DAK ist der Gebrauch auch in Deutschland weit verbreitet. Dass viele Menschen die Pillen schlucken wollen, heißt zwar nicht, dass sie verfügbar sein sollten, aber es gibt keine guten Argumente gegen die kontrollierte Abgabe.

Wir müssen die Risiken erforschen, und wir brauchen Regeln, um Fairness in Prüfungen zu gewährleisten und Kinder zu schützen. Aber diese Vorbehalte sollten dem langfristigen Ziel nicht im Weg stehen, auch Gesunden die Mittel zur Verbesserung ihrer kognitiven Fähigkeiten zugänglich zu machen. Nicht nur Krebsforschern, Sanitätern und Pianisten, sondern auch allen anderen.

Philip Campbell, 57, ist Chefredakteur der Zeitschrift "Nature". Mit Hirnforschern hat er kürzlich ein Plädoyer für die kontrollierte Freigabe von Wachmachern publiziert.

CONTRA

Das Folgende nenne ich das "Prinzip der phänomenal-kognitiven Liberalität": In einer freien, offenen Gesellschaft hat jeder Bürger selbstverständlich und ganz prinzipiell das Recht, mit seinem Gehirn und seinem bewussten Geist das zu tun, was er selbst für richtig hält. Mein Gehirn gehört mir! Wie ich mein bewusstes Erleben designe, ist ganz allein meine Sache! Dieses Prinzip ist schön, wichtig, und leicht dahergesagt. Aber es ist zu billig.