"Die neue Bundesregierung muss sich klar zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln bekennen. Sie sollte sich von Vernunft leiten lassen, nicht von Ideologie! Es ist doch klar: Um den Nahrungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung zu decken, müssen wir die landwirtschaftlichen Erträge steigern.

Entweder zerstören wir dazu Natur und machen unberührte Flächen urbar. Oder aber wir setzen die grüne Gentechnik ein, um unsere Äcker ergiebiger zu machen und weniger Pflanzenschutzmittel zu versprühen. Insofern ist ein Bekenntnis zur grünen Gentechnik auch eines zum Naturschutz.

Die Krux ist, dass die zuständigen Minister wenig von Biologie verstehen und lieber auf Greenpeace hören als auf Wissenschaftler. Sie schüren Ängste und behaupten, die Deutschen wollten keine Gen-Lebensmittel. Das stimmt nicht! Die Menschen wollen gesundes und preiswertes Essen, und das kann sehr gut aus gentechnisch gezüchteten Sorten produziert werden.

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Bisher hat es keinen nachweisbaren Schaden für Mensch und Umwelt gegeben, obwohl die Pflanzen weltweit auf einer Fläche angebaut werden, die dreimal größer ist als Deutschland. Warum sollten Cornflakes aus Genmais ausgerechnet für die Deutschen schädlich sein?

Wenn wir den Anschluss in der Pflanzenzüchtung nicht verlieren wollen, brauchen wir dringend Genehmigungsverfahren, die weniger restriktiv sind. Und wir müssen diejenigen hart bestrafen, die in Nacht-und-Nebel-Aktionen unsere Felder verwüsten.

Wenn Forscher ins Ausland abwandern, weil hier keine Wissenschaft auf Weltniveau möglich ist, trifft das auch die Wirtschaft hart: Deutschland wird dann Saatgut importieren müssen, anstatt es wie heute zu exportieren. So etwas haben wir in den Achtzigern bereits in der Pharmabranche erlebt. Damals wurde Hoechst zehn Jahre lang die Genehmigung verweigert, Insulin gentechnisch herzustellen, es wurde am Ende eingeführt. Abgesehen von dem großen Verlust, hat das die deutsche Genforschung entscheidend behindert."

Protokoll: JENS UEHLECKE