Biodiesel, Bioethanol, Biomethan – seit Jahren schüren Kraftstoffe mit der sympathischen Vorsilbe "Bio" die Hoffnung, dass die Menschheit eines Tages vom Öl loskommt. Doch so, wie sie bisher erzeugt werden, kann davon keine Rede sein. Ein Hektar Acker liefert gerade einmal 1500 Liter Benzin- oder Dieselersatz im Jahr. Selbst wenn man also in ganz Deutschland Energiepflanzen anbauen würde, könnten diese den Durst unserer Motoren nicht stillen.

Zudem wird beim Anbau der Pflanzen für Trecker, Dünger und Schädlingsbekämpfung selbst so viel Energie verbraucht, dass ihre Ökobilanz nicht besser ist als die von Erdöl. Wird tropischer Regenwald für den Anbau abgeholzt, ist sie sogar schlechter.

Leider sind auch die Erwartungen an die Biokraftstoffe der zweiten Generation zu hoch. Sogenannter BtL-Kraftstoff (Biomass to Liquid), für den etwa schnell wachsende Pappeln oder Präriegras verflüssigt werden, wird trotz hoher Kosten nur einen Bruchteil des Bedarfs decken können – wenn sich die Erwartungen der Forscher überhaupt erfüllen.

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Zwar könnte Biomasse viel mehr leisten, wenn sie nicht direkt zu Treibstoff verarbeitet wird. Ein Elektroauto würde es mit dem Strom, das ein Kraftwerk aus dem gleichen Feldertrag gewonnen hat, etwa sechsmal so weit schaffen. Doch brauchten wir dann eine völlig neue Infrastruktur mit Akkutausch- oder Ladestationen, deren Aufbau wiederum Energie fressen würde.

Kommt die Lösung vielleicht aus dem Meer? Für Aufsehen sorgte kürzlich die Ankündigung des Ölmultis Exxon, 600 Millionen Dollar in die Entwicklung eines Treibstoffs aus Algen zu investieren. Schnell wachsende Algen gelten seit Jahren als geeigneter Rohstoff für die Ölherstellung. Auf gleicher Fläche liefern sie bis zu 20-mal mehr Ertrag als Grünpflanzen.

Dafür genügen ihnen Sonnenlicht, Abwasser und CO2, das sich aus dem Abgas von Kohlekraftwerken gewinnen ließe. Bis zur Industriereife des Algenbenzins müssen aber nicht nur viele technische Probleme gelöst werden. Vor allem müssten Flächen für riesige Algenfarmen gefunden werden, denn die Zucht im Meerwasser ist ungleich teurer und komplizierter.

 

Biotreibstoffe werden wohl deshalb auch in Jahrzehnten nur einen Teil des Energiebedarfs decken können. Der Schweizer Energieexperte Ulf Bossel hat ausgerechnet: "Wird ein Hektar Acker dagegen mit Solarzellen bestückt, kann ein Elektroauto mit dem Ertrag nicht 30.000 oder 100.000, sondern über drei Millionen Kilometer weit fahren."