Familie: Das sind Vater, Mutter und Kind.

Stimmt nicht.
Die Familie gab es nie, denn je nach kulturellem Umfeld setzten sich Familien in verschiedenen Epochen ganz anders zusammen. Bei einigen nordamerikanischen Indianern etwa wohnten verheiratete Frauen und Kinder im Haushalt der Mutter. Dass Familien im Kern aus einem Paar bestehen, ist ebenfalls kein universelles Muster: Bis in die Gegenwart gibt es in vielen Gesellschaften Polygamie.

Familie gab es schon immer.

Stimmt nicht.
Bei Griechen und Römern zählten Sklaven zur familia, wie sie in Rom hieß. Dieses Prinzip hielt sich in Europa bis in die Neuzeit: Zur Hausgemeinschaft, die gleichzeitig auch eine Wirtschaftsgemeinschaft war, gehörten Knechte und Mägde. Sie arbeiteten gemeinsam mit den Familienangehörigen, wohnten im selben Haus und unterstanden rechtlich dem Hausherrn. Der Begriff »Familie« tauchte erst Ende des 17. Jahrhunderts in der deutschen Alltagssprache auf. Erst im Laufe des 18. und 19. Jahrhundert setzte sich dann die Vorstellung einer Kernfamilie aus Vater, Mutter und Kindern durch.

Früher haben die Menschen jünger geheiratet.

Stimmt nicht.
Im alten Griechenland lag das Heiratsalter von Männern bei ungefähr 30, Frauen konnten allerdings schon mit 15 vermählt werden. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit heirateten beide Geschlechter in Westeuropa vergleichsweise spät – erst mit Ende 20. Nur Adelige legten früher den Eheschwur ab. Heiraten und eine Familie gründen durfte erst, wer wirtschaftlich selbstständig war. Vor allem in den Unterschichten blieb deshalb ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung – in Kärnten etwa im 19. Jahrhundert 40 Prozent – unverheiratet.

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Früher hatten die Menschen mehr Kinder.

Stimmt nicht.
In Nordwesteuropa sorgte das relativ hohe Heiratsalter für eine natürliche Geburtenkontrolle. Die war auch nötig, denn Kinder mussten versorgt werden: Mädchen brauchten eine Mitgift, Jungen ein Erbe. So gab es von der Antike bis ins 19. Jahrhundert hinein verschiedene Formen der »nachgeburtlichen Geburtenkontrolle«: Kinder wurden ausgesetzt oder absichtlich vernachlässigt. Aus diesem Grund hatten uneheliche Kinder weniger Überlebenschancen, ebenso wie Spätgeborene in kinderreichen Familien.

Früher gab es vor allem Großfamilien.

Stimmt nicht.
Dass mehrere Generationen unter einem Dach zusammenlebten, war in Westeuropa eher selten. Zum einen lag das daran, dass die Menschen früher nicht so lange lebten und viele Eltern deshalb nie Groß-eltern wurden. Zum anderen gründeten verheiratete Paare im römischen Reich und in Nordwesteuropa oft einen eigenen Haushalt. Zahlen aus England zeigen, dass zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert durchschnittlich 4,75 Personen in jedem Haus-halt lebten, Eltern, Kinder und Bedienstete eingeschlossen. Erst im 20.Jahrhundert gab es häufig Drei- oder sogar Vier-Generationen-Haushalte.

Früher hielten Ehen länger.

Stimmt teilweise.
Ehen dauerten bis in die frühe Neuzeit hinein aufgrund der hohen Sterblichkeit selten so lange wie heute. Im römischen Reich wurde etwa jede sechste Ehe innerhalb von fünf Jahren durch den Tod eines Partners beendet. Aber auch Scheidungen waren in Griechenland und im römischen Reich rechtlich und moralisch kein Problem – und vor allem im alten Rom sehr häufig. Dagegen sorgte die wirtschaftliche Funktion der Familie bis ins 20. Jahrhundert oft dafür, dass Paare sich nicht trennten.

Früher waren Mütter mehr für ihre Kinder da.

Stimmt nicht.
In Rom und Griechenland waren häufig Sklaven und Ammen die Bezugspersonen der Kinder. Vor allem in den Oberschichten stillte die Amme die Babys. Auch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit vertraute man häufig auf sie. Erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts propagierten Mediziner, dass Mütter ihre Kinder selbst stillen sollten. Vor allem in der Unterschicht blieben Ammen jedoch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Dienst: Die Frauen gaben ihre Kinder bei ihnen in Pflege, damit sie arbeiten gehen konnten.