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von Gebhard Kirchgässner

Es gibt zwei Wege, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) massiv zu reduzieren: indem man – wie die EU – einen Handel mit Emissionszertifikaten einführt oder indem Steuern auf die fossilen Energieträger Mineralöl, Kohle und Gas erhoben werden. Theoretisch sind Zertifikate besser, weil sich damit die Menge der Emissionen genauer steuern lässt. In der Praxis sind ihnen Steuern jedoch aus zwei Gründen deutlich überlegen.

Erstens erfassen die Zertifikate nur etwa 50 Prozent der Emissionen. Damit versagt die Mengensteuerung. Insbesondere die am stärksten steigenden Emissionen, jene des Verkehrs, werden nicht berücksichtigt. Eine wirksame Klimapolitik kann sich dies nicht leisten. Eine CO2-Steuer, die auch auf Benzin und Flugbenzin erhoben wird, schließt diese Lücke.

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Zweitens werden die Zertifikate bisher nicht versteigert, sondern weitgehend gratis zugeteilt. Das bewirkt eine unerwünschte Umverteilung. In Deutschland ist mit Einführung der Zertifikate der Preis für Strom gestiegen, womit ein Anreiz entstand, Energie zu sparen. Gleichzeitig haben die Stromerzeuger aber auf Kosten der Verbraucher zusätzliche Gewinne erzielt. Dies hat für erheblichen Unmut gesorgt. Dabei war es das vorhersehbare Ergebnis dieser Umweltpolitik. Die Einnahmen aus einer CO2-Steuer könnte man dagegen etwa über eine Senkung der Beiträge zur Altersvorsorge an die Menschen zurückverteilen.

Das zweite Problem wäre gelöst, wenn alle Zertifikate versteigert und die Einnahmen ebenfalls zurückverteilt würden. Aber auch dann würden nicht alle Emissionen erfasst. Solange dies nicht der Fall ist, sind Steuern vorzuziehen.