Forscher des Hamburger Universitätsklinikums (UKE) ließen im Schuljahr 2007/2008 in einigen Klassenzimmern eine ganz besondere Lichtanlage installieren . Morgens weckten die Lehrer ihre müden Schüler mit Licht einer Farbtemperatur von 12000 Kelvin – etwa so, als schiene die Sonne in den Raum. Sollten die Schüler arbeiten, wurde es auf bläuliche 6000 Kelvin – gute Tageslichtfarbe – gedreht. Und wenn es Unruhe im Klassenzimmer gab, stellten die Lehrer beruhigende 3200 Kelvin ein. Es war faszinierend: Die Lesegeschwindigkeit der Schüler stieg um ein Drittel, und sie störten weniger. Hamburg will nun 1000 Klassenzimmer mit diesen Anlagen ausrüsten.

Philips bietet für Büroräume mittlerweile Lichtanlagen an, die je nach Tageszeit und Bedarf Lichtfarben zwischen 3000 und 5000 Kelvin kreieren. Auf den Schreibtisch zu Hause kann man sich den Apparat goLite Blu stellen, der mit purem blauem Licht wach machen soll.

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Wie wichtig es ist, mit solcher Lichtunterstützung vernünftig umzugehen, erforschte Dieter Kunz, Chefarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité in Berlin . Im Schlaflabor setzte er Probanden vor dem Zubettgehen eine halbe Stunde lang unterschiedlichem Lampenlicht aus. »Wir waren von der Deutlichkeit der Ergebnisse überrascht«, sagt Kunz. Schon nach zehn Minuten Lichtdusche sank der Gehalt des für gesunden Schlaf essenziellen Hormons Melatonin im Körper der Probanden deutlich.

Der Effekt war umso stärker, je höher der Blauanteil war: Blaues Licht startet über Fotorezeptoren im Auge eine Hormonreaktion, die das Schlafhormon unterdrückt. Natürlich beeinflusse das den Schlaf, sagt Kunz. Und das hat Folgen. »Wir gehen heute davon aus, dass Schlafstörungen zu Leiden wie Depressionen, Bluthochdruck, Diabetes, Fettleibigkeit und sogar zu Tumorerkrankungen führen können.« Vor dem Schlafengehen solle man sich daher mit warmweißem, nicht zu hellem Licht umgeben.

Licht, wie es das kleine runde Ding ausstrahlt, das Osram-Manager Michael Fiebig vorsichtig wie einen Diamanten in seiner Hand hält. Acht Zentimeter ist die leuchtende Scheibe groß und nur 2,1 Millimeter dick, etwa wie das Display eines Handys, allerdings hat sie nur ein Pixel. Orbeos, seit November als erstes Serienprodukt seiner Art auf dem Markt, ist eine organische LED, eine OLED.

Drei Kohlenstoffschichten erzeugen rotes, grünes und blaues Licht, das zusammen einen warmen Weißton ergibt. In einigen Jahren, sagt Fiebig, könnte es helfen, unsere Wohnungen zu illuminieren. LEDs sorgen für zielgerichtete Lesebeleuchtung, OLEDs erhellen den Hintergrund, gar ganze Wände, auch wenn im Moment noch zehn Orbeos nötig wären, um die Lichtleistung einer 40-Watt-Birne zu erzeugen.

Ausgerechnet der Lichtdesigner Ingo Maurer, der Mann, der so leidenschaftlich für die Glühbirne kämpft, arbeitet schon mit OLEDs . In seinem Schauraum in München-Schwabing findet man die LED-Tischleuchte Bellissima Brutta, die Maurer bereits 1997 herausbrachte und die aussieht wie ein Strauß bunter Lollis. Bald soll es sogar eine Tapete mit LEDs geben, die man sich an die Wand kleben kann. Und in einer Vitrine steht Early Future, die erste serienreife OLED-Tischleuchte der Welt, mit zehn rechteckigen Paddeln, die sich wie Flügel nach oben recken, Preis: 10.000 Euro.

Maurer entwarf auch zwei Übertischleuchten, bestehend aus kaum mehr als OLED-Modulen. So faszinierend die Gestaltungsmöglichkeiten mit der neuen Technik auch seien, sagt er, man dürfe nicht vergessen: »Licht ist immer ein Mittel, mit dem man Wohlbefinden erzeugt.«

Es geht heute nicht mehr darum, in alte Glühbirnenfassungen neue Leuchtmittel einzuschrauben. Die Beleuchtung wird künftig in unseren Häusern und Wohnungen eine völlig neue Bedeutung haben. Philips hat bereits eine Palette von LED-Leuchten im Angebot, für Tisch, Wand, Decke, für draußen und drinnen, die ganz ohne Fassungen auskommen. Der Konzern verkauft sogar Obstschalen, Vasen und Sektkühler, die sich von integrierten dimmbaren LEDs in alle möglichen Farben tauchen lassen. Und es gibt Leuchten, die ganze Wände je nach Stimmung in der gewünschten Farbe fluten.

LED-Licht, sagt Konzernsprecher Klaus Petri, werde in den kommenden Jahren immer mehr zu einem Gestaltungsmittel im Alltag werden. »Früher kaufte man eine große Lampe für die Raummitte, die konnte man ein- und ausschalten, das war’s«, sagt er. Später gab es Dimmer. »Und heute können wir unsere Räume mit Licht in 16 Millionen Farben ausmalen.« Aber um von dieser schönen neuen Welt zu profitieren, muss der durchschnittliche Käufer natürlich aufhören, im Baumarkt immer nach dem Billigsten zu greifen.