Autohersteller zittern, Autofans warten gespannt: Ende April will der ADAC wieder seine jährliche Pannenstatistik veröffentlichen, und auch diesmal soll sie zeigen, "welche Fahrzeuge die zuverlässigsten sind". Von dem Urteil hängt für alle viel ab: Für die Hersteller, die gut abschneiden, ist das Ranking ein unschätzbares Werbeargument, für Autokäufer ist es eine wichtige Entscheidungshilfe. Und für den ADAC ist seine Veröffentlichung eines der wichtigsten PR-Ereignisse des Jahres.

Kein Wunder, dass der Automobilclub ein Detail nicht so gerne erwähnt: Seine Zuverlässigkeitsstatistik ist selbst nicht so zuverlässig, wie suggeriert wird. Zwar gibt sie bis auf die Nachkommastelle genau die Pannen eines Autotyps im Berichtsjahr an, in Wirklichkeit aber weiß der ADAC es gar nicht so genau. Das liegt an der Stichprobe, auf der die Statistik beruht: Ein Defekt wird immer dann berücksichtigt, wenn die selbst ernannten "gelben Engel" zur Hilfe gerufen wurden. Damit beliebte Autotypen wie etwa der Golf nicht automatisch schlechter abschneiden, nur weil viele davon unterwegs sind und entsprechend oft liegen bleiben, errechnen die Statistiker mithilfe der offiziellen Zulassungszahlen, wie viele Pannen auf jeweils 1000 Autos eines Modells in den vergangenen sechs Zulassungsjahren kamen.

Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

Die Tücke der Statistik: Um von diesen Zahlen auf die generelle Zuverlässigkeit eines Fahrzeugs schließen zu können, müsste die Stichprobe repräsentativ sein – und das wäre sie nur, wenn der Anteil der Pannen, zu denen der ADAC zur Hilfe gerufen wird, bei allen Marken und Modellen gleich groß wäre. Das gerade ist jedoch zweifelhaft. Denn einige Hersteller betreiben eigene Pannendienste samt eigener Flotte: BMW etwa verspricht allen Kunden während der fünfjährigen Garantie kostenlos Hilfe. Der Anreiz, den ADAC zu rufen, ist also extrem gering – und damit auch der Anteil von Pannen, den der ADAC überhaupt erfasst.

Schwerer wiegt ein zweites Problem: Die Statistiker errechnen die Gesamtrangfolge nicht aus der durchschnittlichen Pannenzahl aller berücksichtigten Jahre. Vielmehr erstellen sie zunächst für jedes Zulassungsjahr ein eigenes Ranking und bilden dann für jedes Fahrzeug das Mittel aus all seinen Platzierungen. Das führt zu absurden Ergebnissen: Manche Modelle belegen einen besseren Rang als die Konkurrenz, obwohl sie mehr Pannen haben. So schnitt der Renault Clio zuletzt mit im Mittel 15,3 Pannen 13 Plätze besser ab als der Seat Ibiza mit 13,3 Pannen.

     Die Statistiker argumentieren, sie könnten die Rangfolge nicht besser berechnen, weil es nicht immer Daten für alle Zulassungsjahre gebe. Aber sollten sie dann nicht besser auf ein Ranking verzichten? Angeblich diskutiert der ADAC noch über kleinere Änderungen in der diesjährigen Statistik. Hoffentlich werden dabei alle Pannen beseitigt.