ZEIT Wissen: Herr Tolan, wer wird Fußballweltmeister?

Metin Tolan: Natürlich Deutschland, das ergeben alle meine Berechnungen.

ZEIT Wissen: Berechnungen?

Tolan: Ja, mit der WM-Formel: Im Durchschnitt hat Deutschland in der Vergangenheit Platz 3,7 belegt, um diesen Wert schwankten die Platzierungen. Dazu kommt, dass wir alle vier, fünf Jahre ein besonders starkes Team hatten. Das kann man mit einer Kosinus-Funktion beschreiben. Dabei kommt heraus, dass wir eigentlich schon 2006 hätten gewinnen müssen.

ZEIT Wissen: Das hat ja nicht geklappt. Warum also diesmal?

Tolan: Weil meine Formel den Sieg immer für eine WM zu früh vorausgesagt hat, also zum Beispiel für 1986. Deshalb klappt es diesmal, ganz sicher.

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ZEIT Wissen: Da spricht jetzt aber mehr der Fußballfan als der Physiker, oder?

Tolan: Na ja, die WM-Formel ist eher eine Spielerei. Aber man kann tatsächlich einiges im Fußball berechnen. Zum Beispiel, dass eine Rote Karte ein Team gar nicht so sehr schwächt. Man denkt, wenn einer von zehn Feldspielern fehlt, müssen die anderen je zehn Prozent mehr rennen, um das Feld genauso gut abzudecken. Es sind aber nur fünf Prozent. Das liegt daran, dass die abgedeckte Fläche quadratisch mit der Seitenlänge wächst, die ein Spieler abläuft. Wenn er fünf Prozent weiter läuft, kann er 1,05 × 1,05 = 1,1025, also etwa zehn Prozent mehr Fläche abdecken.