Der Weg in den Weltraum ist hart und staubig. Er führt vorbei an Kühen und Kojoten, an verfallenen Häusern und quietschenden Windrädern, durch eine öde Landschaft, geprägt von stachlig-braunen Mesquitebüschen. Und er ist in einem verdammt schlechten Zustand. Doch wer hoch hinauswill, darf sich von ein paar Schlaglöchern nicht abschrecken lassen.

Steve Landeene will hoch hinaus – mehr als 100 Kilometer hoch. Der 46-Jährige leitet das Projekt Spaceport America. Im Süden des US-Bundesstaats New Mexico entsteht gerade der erste für den Weltraumtourismus entworfene Raumflughafen. Hier, 90 Kilometer vom Städtchen Las Cruces entfernt, sollen Ende 2011 die ersten zahlungskräftigen Urlauber ins Weltall abheben. »Wir erleben eine Entwicklung, die der industriellen Revolution in nichts nachsteht«, sagt Steve Landeene und tritt aufs Gas.

Viele Jahre lang waren Ausflüge ins All nicht mehr als ein vollmundiges Versprechen, doch nun nimmt das Unternehmen tatsächlich Fahrt auf. Nicht nur die USA bauen an ihrem Raumflughafen, auch Schweden, Dubai und Australien entwickeln ähnliche Pläne. Gleichzeitig bastelt ein halbes Dutzend Firmen – streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit – an den passenden Raumschiffen.

Noch ist das alles eine Spielwiese für exzentrische Ingenieure und milliardenschwere Abenteurer, die den ultimativen Kick für ihre vermögende Kundschaft suchen. Doch falls sie erfolgreich sind, falls sie alle technischen und finanziellen Hürden überwinden, werden sie die Art, wie Menschen Urlaub machen, wie sie sich fortbewegen, wie sie forschen und kommunizieren, grundlegend verändern. Das Weltall wird alltäglich.

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Nach 40 Meilen Buckelpiste stellt Steve Landeene seinen Geländewagen am Straßenrand ab, setzt einen Helm auf und zieht sich eine neongelbe Warnweste über. Auf ihr prangt nicht nur die amerikanische Flagge, sondern auch das Logo von Virgin Galactic – der Raumfluglinie des britischen Multimilliardärs Richard Branson. Mehr als 330 Buchungen, darunter mindestens fünf aus Deutschland, kann der galaktische Reiseveranstalter bereits vorweisen. Der Spaceport soll seine Heimat werden.

Die Warnweste ist hier überlebensnotwendig. Unablässig brettern Baumaschinen vorbei, deren Reifen so hoch sind wie ein Mensch. Einer undurchsichtigen Choreografie folgend, tragen sie Erde ab, heben Gruben aus, planieren den Boden. Die Luft ist staubig, es riecht nach Diesel. Ab und an mischt sich ein Tankwagen ins Baumaschinen-Ballett und benetzt mit einer großen Wasserfontäne den Boden.

Noch ist allenfalls zu erahnen, wo das 10.000 Quadratmeter große Terminal einmal stehen soll. Ein paar Grafiken, die Steve Landeene an die Wand seines Büros in Las Cruces gehängt hat, zeigen ein flaches, futuristisches Gebäude. Wie ein Ufo, das gerade gelandet ist, steht es in der Wüstenlandschaft New Mexicos. Entworfen wurde der Bau, der neben dem Terminal auch den Hangar für die Raumschiffe enthält, vom Büro des britischen Stararchitekten Sir Norman Foster. Wer, wie die ersten Fluggäste von Virgin Galactic, 200.000 Dollar für sein All-Abenteuer zahlt, soll standesgemäß empfangen werden.