7.30 Uhr: Frühstück

Die Schneiders sind eine fiktive Familie, die exemplarisch für viele Familien steht. Am Morgen ist Peter Schneider gerade auf dem Sprung ins Büro, seine Frau Karin, der achtjährige Sohn Julian und die sechsjährige Hannah sitzen noch am Frühstückstisch.

"Schatz", sagt Herr Schneider und gießt seiner Frau noch schnell eine Tasse Kaffee ein, "kannst du mir bitte für heute Abend noch den DVD-Rekorder programmieren? Du bist doch unser Technikgenie. Wenn ich das mache, haben wir nicht den Bond-Film aufgezeichnet, sondern Deutschlands schönste Bahnstrecken."
 

"Einen Klassiker" nennt der Psychotherapeut Rainer Sachse, was die Eltern hier miteinander treiben: das Blöd-Spiel. "Man erklärt sich zuerst selbst als zu dumm für etwas, und in der dazugehörigen Schmeichelkomponente definiert man den Partner als genial." Eine elegante Methode, um eine Tätigkeit an jemand anderen abzugeben, die man nicht gern selbst macht.

Sachse, der viele Jahre als Paartherapeut gearbeitet hat, findet Manipulation innerhalb einer Partnerschaft meist nicht beunruhigend. "Es gibt eine Theorie, die davon ausgeht, dass Manipulation normales soziales Verhalten darstellt. Richtig dosiert und auf beide Partner gleich verteilt, macht sie eine Beziehung spannend, abwechslungsreich und reizvoll. Das Problem ist nicht die Manipulation selbst, sondern ihr Ausmaß", sagt Sachse. In seinem Buch Wie manipuliere ich meinen Partner – aber richtig plädiert er dafür, das Ganze als Spiel zu sehen, "an dem alle Beteiligten viel Spaß haben können".