Die falsche Nahrung verschlimmert das möglicherweise noch, vermutet die Psychiaterin Janice Kiecolt-Glaser von der Ohio State University. Denn auch eine Ernährung mit viel Weißmehlprodukten, Zucker und einer größeren Menge an gesättigten Fettsäuren erhöht die Menge an Zytokinen im Körper. Omega-3-Fettsäuren dagegen scheinen Entzündungsreaktionen eher zu dämpfen.

Es gibt noch eine weitere Erklärung dafür, wie gedrückte Gemütszustände oder gute Laune entstehen, und die klingt zunächst wie Science-Fiction: Es könnte sein, dass auch die Bakterien im Darm die Stimmung beeinflussen. Mehr als eine Billion Mikroorganismen, zusammen ein bis zwei Kilogramm schwer, helfen dem Darm normalerweise dabei, Nahrungsmittel zu verwerten. Diese Bakterien, die sogenannte Darmflora, verständigen sich mit Signalstoffen nicht nur untereinander, sondern auch mit ihrem menschlichen Wirt. Als Kommunikationskanal dienen die vielen Tausend Nervenzellen des Nervensystems in der Darmwand, welche die Botschaften über den Vagusnerv direkt ins Gehirn leiten. Über diese Verbindung könnten die Darmbakterien ganz entscheidend am grundsätzlichen Wohlbefinden mitwirken, spekuliert Emeran Mayer: Ist bei den Bakterien alles in Ordnung, fühlt sich auch der Mensch wohl. Sind die Mitbewohner im Darm hingegen angeschlagen, lassen sie das auch ihren Wirt spüren. "Die ersten Befunde, die es hier gibt, sind faszinierend", sagt Mayer über den neuen Forschungsansatz.

Bei Versuchen mit Mäusen zeigte sich zum Beispiel, dass sich Veränderungen in der Darmflora unmittelbar auf das Verhalten auswirken können: Die Mäuse werden dann ängstlicher und scheuer. Und umgekehrt verändern Angst und Stress die Darmflora. Verhaltenswissenschaftler des Brain-Body Instituts der McMaster-Universität im kanadischen Hamilton beobachteten in Versuchen mit Mäusen, dass Stress in den ersten Lebensmonaten die Darmflora ungünstig verändern kann und die Tiere ihr Leben lang auffällig auf Strapazen reagieren. Kann eine schlechte Ernährung ähnliche Folgen haben?

Im Tierversuch gibt es Hinweise darauf: Wenn Mäuse mit menschlicher Darmflora von einer fettarmen, pflanzenreichen Diät auf eine Kost mit viel Fett und viel Zucker umsteigen, verändert sich die Bakterienbesiedlung innerhalb eines Tages komplett. Zudem produzieren die Darmbakterien mehr Endotoxine, Zerfallsprodukte, die wie Botenstoffe wirken, wenn sie mit fettreichen Mahlzeiten zu kämpfen haben. Und diese Endotoxine sorgen für Entzündungsreaktionen und für depressive Stimmung – zumindest bei den Versuchstieren, fanden Forscher der Yale School of Medicine kürzlich heraus.

Noch gibt es nur wenige Studien an Menschen, allerdings weiß man von autistischen Kindern, dass manche von ihnen eine völlig andere Darmflora haben als gesunde. Ähnlich ist es bei Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom, einer bisher unerklärlichen Störung. Aber was ist Ursache und was Wirkung? "Die Verbindungen zwischen Gehirn und Darm verlaufen immer in beide Richtungen. Das macht es so schwer, zu sagen, was jeweils die Ursache ist", sagt Mayer. "Wenn aber die Mikroben im Darm tatsächlich mit psychischen Problemen zusammenhängen, könnte man dort eventuell mit einer Behandlung ansetzen", hofft er.

Mithilfe spezieller Probiotika oder mit genveränderten Bakterien lässt sich die Darmflora und damit auch die Stimmung vielleicht positiv beeinflussen, spekuliert Mayer. Hinweise, dass das funktionieren könnte, gibt es schon: In einer Studie mit 132 gesunden Teilnehmern an der Universität Cork, die 2007 im European Journal of Clinical Nutrition erschien, verbesserte sich nach drei Wochen, in denen die Probanden ein spezielles probiotisches Milchgetränk zu sich nahmen, die Laune vor allem bei denjenigen, die vorher schlechter Stimmung waren. Ähnlich fiel das Ergebnis einer achtwöchigen Pilotstudie an 35 Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom aus: Die Probanden, die Probiotika einnahmen, waren am Ende der Untersuchung weniger ängstlich.

Kein Wunder, dass Lebensmittel-Hersteller extrem interessiert an den neuen Forschungen sind. Doch noch ist große Vorsicht angebracht, denn die Ergebnisse einzelner Studien mit nur Dutzenden Teilnehmern lassen sich kaum verallgemeinern. Die Wirkung der Ernährung auf Körper und Geist zu erfassen ist äußerst komplex – allzu häufig ließen sich erste vielversprechende Befunde in weiteren Studien nicht erhärten.