Pro (Für eine Privatisierung des deutschen Waldes)

54 Prozent des deutschen Waldes gehören der öffentlichen Hand, also Bund, Ländern und Kommunen. Diese sollten ihn im Sinne des Gemeinwohls bewirtschaften: nicht nur zur Versorgung mit Holz, sondern als Erholungsort für Menschen und Lebensraum für Tiere. Leider ist der Staat damit zunehmend überfordert. Um die Kassen zu füllen, hat mancher Finanzpolitiker schon Sonderhiebe veranlasst oder Wald verkauft.

So wurden 2009 in Nordrhein-Westfalen zwei Prozent des Staatswaldes an einen Großinvestor verscherbelt. Die Privatisierung ist aber nicht generell verkehrt, solange man geeignete Flächen nimmt und es richtig macht. Der schleichende Ausverkauf an einzelne finanzstarke Investoren muss verhindert werden, denn der öffentliche Wald ist der Wald der Bürger und muss dies auch bleiben!

Wenn aber abzusehen ist, dass er in der öffentlichen Hand nicht mehr gut aufgehoben ist, brauchen wir eine Alternative. Mancher Privatbesitzer hat gezeigt, dass er den Wald besser bewirtschaften kann als der Staat. Ich schlage vor, den Wald unter dem Dach einer privatrechtlichen Organisation in bürgerlichen Streubesitz zu überführen. Denkbar sind Bürgerstiftungen, Genossenschaftsmodelle oder gemeinwohlorientierte Bürgerwald-Aktiengesellschaften. Wenn wir jetzt nicht über solche Modelle nachdenken, stehen wir bald vor dem Ausverkauf des Waldes.

Josef Tumbrinck, 45, ist Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) NRW

Contra (Gegen eine Privatisierung des deutschen Waldes)

Die Verwalter und Bewirtschafter der öffentlichen Wälder sorgen dafür, dass der Wald Erholung bietet und Lärm-, Wasser- sowie Artenschutz gewährleistet. Sie schultern zahlreiche Aufgaben, die meist mehr Geld kosten, als dass sie positive Erträge erbringen. Privatwälder hingegen sollen verständlicherweise vorrangig ein positives Betriebsergebnis erwirtschaften. Deshalb ist bei einer Privatisierung grundsätzlich zu befürchten, dass die Gemeinwohlfunktion des Waldes auf der Strecke bleibt.

Selbst wenn die Bürger den Staatswald kauften, und nicht Großinvestoren, wäre eine Privatisierung abzulehnen. Warum sollen die Bürger einen Wald kaufen, der ihnen bereits gehört? Sie würden dann ein zweites Mal dafür bezahlen – oder andernfalls ihre Einflussmöglichkeiten verlieren. Bislang untersteht der Staatswald ja der Kontrolle der Parlamente und damit auch der Kontrolle der Allgemeinheit.

Nicht jeder Deutsche wird sich aber ein Stück Waldfläche leisten können. Stattdessen würden einige wenige vermögende Käufer über den Wald befinden. Selbst wenn Naturschutzverbände in einem solchen Modell eine Sperrminorität hätten, bezweifle ich, dass der Naturschutz ausreichend sichergestellt werden könnte. Denn auch eine Bürgerwald-Aktiengesellschaft müsste ja vor den Eigentümern Rechenschaft über ihr wirtschaftliches Ergebnis ablegen.

Hans Jacobs, 46, ist Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF)