ZEIT Wissen: Herr Professor Baker, Sie haben einen Artikel über ein Computerspiel in Nature veröffentlicht . Was hat das Thema in einem der renommiertesten Wissenschaftsmagazine zu suchen?

David Baker: Sie haben recht, Nature ist nicht gerade berühmt für seine Berichte über Spiele. Aber unseres hilft, ein wissenschaftliches Rätsel zu lösen: Wie falten sich die vielen Proteine in unserem Organismus? Wir wissen seit Langem, dass sie die meiste Arbeit dort erledigen. Wir wissen auch, woraus sie bestehen. Nur ihre Form kennen wir nicht.

ZEIT Wissen: Und die sollen nun Computerspieler herausfinden?

Baker: Ja, warum sollten wir nicht die enorme Energie, die Menschen in Computerspiele stecken, für die Wissenschaft nutzen?

ZEIT Wissen: Das klingt aber nicht, als würde es viel Spaß machen...

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Baker: Stellen Sie sich Foldit wie ein 3-D-Tetris vor. Die Aufgabe ist, ein Protein in den niedrigsten Energiezustand zu versetzen. Das heißt, man verändert die Struktur so lange, bis man zusätzliche Energie zuführen müsste, um sie noch einmal zu verändern – dann hat man die natürliche Form gefunden. Foldit hat zudem vieles von Spielen, die über Stunden gespielt werden. Zum Beispiel kann man Teams bilden...

ZEIT Wissen: Wie kann man dabei punkten?

Baker: Das Spiel kalkuliert Zug um Zug den Energiezustand des Proteins. Je niedriger der ist, desto mehr Punkte!

ZEIT Wissen: Und das ist spannender als etwa World of Warcraft ?

Baker: Unsere Spieler wissen, dass sie ein Rätsel der Natur lösen. Wer kann das schon von sich behaupten?