Depression

Leere. Nichts, nirgendwo. Draußen schien die Herbstsonne, in Monika Baritsch war alles grau und trostlos. Ihre ersten Tage in der Psychiatrie verbrachte sie vollkommen gleichgültig, es war ihr egal, ob sie lebte oder nicht.

»Die meisten psychischen Erkrankungen sind auf eine Region im Gehirn begrenzt«, sagt Mathias Berger, ärztlicher Direktor der Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Freiburg . »Eine Zwangserkrankung etwa fixiert einen Gedanken oder eine Handlung, bei der Magersucht scheint ein Regelzentrum für den Appetit gestört. Die Depression hingegen ist eine Erkrankung des gesamten Gehirns.«

Dass Monika Baritsch, 54, an Depressionen leidet, erfuhr sie 2004, nachdem ihr Mann und sie sich nach 23 Jahren getrennt hatten. Sie begab sich zur Behandlung ein halbes Jahr in die Psychiatrie. »Heute ist mir klar, dass ich vorher schon körperliche Ausprägungen von Depressionen hatte«, sagt Baritsch.

Seit Jahren war sie häufig krank gewesen: Verdauungsbeschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen, Erschöpfung. »Die Depression schafft einen Zustand der Leere, den wir uns nur schwer vorstellen können«, sagt Berger. Meistens wehrt sich der Körper dagegen. »Die Krankheit ist etwas anderes, als sich traurig zu fühlen, Liebeskummer zu haben oder schlecht gelaunt zu sein.« Das kann sich ausdrücken in allgemeinen Beschwerden wie bei Baritsch. Doch diese körperlichen Symptome bringt kaum jemand in Verbindung mit einer Depression.

Gerade Männer erkennen lange nicht, woran sie eigentlich leiden. Wenn die Libido erlischt, das Selbstwertgefühl schwindet und sich Abgeschlagenheit breitmacht, beginnt mancher zwanghaft, neue Herausforderungen zu suchen. Übertrieben viel Sport zu machen etwa, einen Marathon zu laufen, exzessiv Alkohol zu trinken. Dieser Aktivismus ist typisch für die Depression.

Zwar ist unter den sechs Prozent der Bevölkerung, die laut WHO-Kriterien an einer Depression leiden, der Anteil an Frauen doppelt so hoch. Womöglich bleiben aber viele betroffene Männer einfach unerkannt. »Männer gehen seltener zum Arzt. Sie sind es weniger als Frauen gewohnt, Hilfe zu suchen«, sagt Berger. Bei einigen äußert sich die Depression daher eher in Aggression und Feindseligkeit, sie kapseln sich ab. Inzwischen kursiert für diese Ausprägung ein eigener Begriff: Männerdepression.

Das könnte auch die höhere Suizidrate der Männer gegenüber den Frauen zusätzlich erklären, so eine unter Psychiatern diskutierte Vermutung. Fest steht, dass die Depression wegen ihres extremen Leidensdrucks die Erkrankung mit dem höchsten Suizidrisiko ist. Aber würde eine höhere Therapierate die Selbstmordrate wirklich senken? Wie aussichtsreich ist es, eine Depression behandeln zu lassen?

Die Therapiemöglichkeiten, sagt Berger, seien erfolgversprechend. Mithilfe von sogenannten trizyklischen Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahmehemmern lassen sich die Hirnstoffwechselstörungen, die der Depression wohl zugrunde liegen, meist zufriedenstellend behandeln.

"Allein das Wissen, dass ich krank bin, hat mir schon sehr geholfen"

Gut leben als Patient: Wie wir mit Rückenschmerzen und Co. zurechtkommen (Bitte klicken Sie auf das Bild) © Karen Bleier/AFP/Getty Images

Eine Psychotherapie gilt ebenfalls als erfolgversprechend, gibt sie dem Patienten doch auch Instrumente an die Hand, sich selbst zu helfen, falls sich wieder einmal Symptome einstellen.

»Allein das Wissen, dass ich krank bin, hat mir schon sehr geholfen«, sagt Baritsch, die sich inzwischen wieder einigermaßen stabil fühlt.

Dass Depressionen selbstlimitierend sind, ist bekannt. Nach ein paar Monaten verschwinden sie in der Regel und tauchen manchmal erst Jahre später wieder auf. »Das kommt auch auf die vorherige Therapie an«, sagt Berger. Medikamente wirken dann schneller und helfen, die depressiven Phasen zu überwinden.

Die Psychotherapie hingegen braucht länger, um einen antidepressiven Effekt zu entwickeln – sie wirkt dann aber auch nachhaltiger.

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