Meier denkt. Das muss er auch, denn die Kolleginnen Schneider und Wagner haben gut vorgelegt, von jeder prangen schon zwei Ideen am Flipchart. Da, ihm fällt etwas ein. Doch nun spricht der Chef, den unterbricht man nicht. Als Meier endlich drankommt, hat er seine Idee wieder vergessen.

Brainstorming in der Gruppe bringt wenig. Schuld daran sind vor allem die Wartezeiten, während die anderen sprechen: Wer aufpassen muss, wann er an der Reihe ist, kann sich weniger auf seine Gedanken konzentrieren. Das zeigte der Psychologe Wolfgang Stroebe von der Universität Utrecht , indem er Testpersonen Ideen entwickeln ließ. Während die einen ihre Ideen jederzeit in einen Computer eingeben konnten, mussten andere einige Sekunden warten. Die zweite Gruppe war weniger produktiv.

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Der Wirtschaftswissenschaftler Karl-Heinz Brodbeck von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt steht Kreativitätstechniken skeptisch gegenüber, die auf Kommando Ideen produzieren sollen. »Solche verschulten Prozesse schränken in der Regel ein«, sagt er. Die Personalberatung Kienbaum hat in einer Studie Produktideen bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt. Dabei zeigte sich, dass nur ein Prozent der Ideen auf Kreativitätstechniken wie Gruppen-Brainstorming zurückging.

Brodbeck ist überzeugt: »Wer kreativ sein will, muss nichts Neues lernen, denn er hat diese Fähigkeit bereits.« Zu diesem Ergebnis kommt auch die Psychologin Franzis Preckel von der Universität Trier . Sie leitete einen Test mit 1300 Schülern, in dem Kreativität gefragt war. Hier war nicht Fantasie gemeint, sondern die Fähigkeit, sich vielfältige Lösungen für Probleme einfallen zu lassen. So sollten die Schüler überlegen, wie man ein Schaumstoffpolster verwenden oder eine Zahnbürste verbessern könnte. Gymnasiasten fiel zwar mehr ein als Hauptschülern, hat Preckel beobachtet, »grundsätzlich hat aber jeder die Anlage zum Kreativsein«.

Wie findet man Ideen?

Nur wie findet man all die Ideen, die sich in einem verstecken? Brodbeck schlägt seinen Studenten in einer Übung vor, sich ein Quadrat vorzustellen. »Das mag banal klingen, bringt aber sehr unterschiedliche Ergebnisse hervor«, sagt er. »Manche sehen Leuchtstoffröhren, andere schreiben geometrische Formeln auf, wieder andere spielen in Gedanken mit bewegten Würfeln.« So bekomme jeder mit, wie andere denken, und könne selbst gewohnte Muster aufbrechen – bestenfalls auch bei Aufgaben, die komplexer sind als die Übung mit dem Quadrat.

Einig sind sich Kreativitätsforscher, dass Ideen oft in Pausen zum Vorschein kommen. Sie sprechen von Inkubationsphasen – nachdem man sich mit einem Thema oder einem Problem lange beschäftigt hat, brütet man die Idee aus. Ob man dazu mit dem Sohn Lego spielt, Sport treibt oder lieber spazieren geht, muss jeder selbst herausfinden.

Wer es sich ganz einfach machen will, legt sich ins Bett. Denn wie Psychologen der Universität Lübeck herausgefunden haben, kann man eine knifflige Aufgabe viel leichter lösen, wenn man eine Nacht darüber geschlafen hat.

Lesen Sie im nächsten Teil der Serie "Erste Hilfe gegen Alltagsblockaden", wie man Nervosität positiv nutzen kann.