ZEIT Wissen : Ich bekam einmal einen Anruf von Ihrer Assistentin: »Herr Drösser, Sie müssen mir helfen, der Armin erzählt gerade vor der Kamera, dass sich der Wasserstrudel in Australien andersherum dreht als bei uns!«

Armin Maiwald : Das ist mir dort aufgefallen, dass das Wasser andersherum abläuft – gegen den Uhrzeigersinn, bei uns dreht es sich mit dem Uhrzeigersinn.

ZEIT Wissen : Das muss Zufall gewesen sein. Die Corioliskraft, die das erklären könnte, ist nicht stark genug – und würde die Strudel außerdem genau andersherum lenken! Wie wichtig ist es Ihnen, dass das stimmt, was Sie erzählen?

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Maiwald : Wir recherchieren eigentlich so lange, bis es wehtut. Dabei verlassen wir uns nicht nur auf Quellen wie Wikipedia, sondern versuchen, die Fachleute zu kriegen. Ich bin ja kein Wissenschaftler und muss mich in die Themen immer erst reingraben.

ZEIT Wissen : Müssen Sie dabei eine Kinderperspektive einnehmen?

Maiwald :  Nein, aber bevor ich eine Geschichte mache, muss ich den Leuten so lange auf den Keks gehen, bis ich wirklich bis ins letzte Detail begriffen habe, worum es geht.

ZEIT Wissen : Es ist kein Geheimnis, dass auch viele Erwachsene gerne zugucken.

Maiwald :  Erwachsene machen immer ein schlaues Gesicht. Wenn man dann aber nachfragt, wissen sie es auch nicht. Nur trauen sie sich nicht, das zuzugeben. Kinder sind da ganz einfach: »Weiß ich nicht, frag ich einfach.«

ZEIT Wissen : Ihre ersten drei Filme handelten 1969 von Milch, Brötchen, Ei.

Maiwald : Für damalige Verhältnisse waren die Filme wahnsinnig kurz geschnitten, nur mit Musik und ohne Text. Heute fänden wir das zum Gähnen langsam, aber damals haben wir alle möglichen Vorwürfe auf die Ohren gekriegt: Ihr übergießt die Wirklichkeit mit einer rosaroten Musiksoße. Ihr zeigt nicht die ausgebeuteten Massen. Ihr macht unsere Kinder sprachlos.

ZEIT Wissen : Greifen Sie auch ganz aktuelle Themen auf, zum Beispiel Dioxin in Hühnereiern?

Maiwald : Wir stehen nicht unter dem Aktualitätsdruck der Tagesschau. Bis wir das gemacht haben, ist ein halbes Jahr vergangen, und dann wird längst die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Wir versuchen mit unseren Filmen etwas zu schaffen, was auch Bestand hat.

ZEIT Wissen : Würden Sie ab und zu gern was für ein erwachsenes Publikum machen?

Maiwald : Habe ich doch. Eine Geschichte über das Lustobjekt Auto zum Beispiel oder über das Ladenschlussgesetz.

ZEIT Wissen : Aber die Zuschauer erkennen im Kommentator immer den Armin von der Maus. Nimmt man Sie dann überhaupt ernst genug?

Maiwald : Natürlich. Beim Thema Ladenschluss gab es einen Riesenzoff, die Proteste von Gewerkschaften und Großkonzernen gingen bis rauf zum Intendanten.

Armin Maiwald ist einer der Erfinder der »Sendung mit der Maus«. Schon 1969 hat der heute  71-Jährige seine ersten  Sachgeschichten gedreht.