ZEIT Wissen: Herr Elliot, Sie haben als erster Apple-Insider ein Buch über Steve Jobs und seinen Führungsstil geschrieben. Was sagt Jobs dazu, dass Sie seine Methoden ausplaudern?

Jay Elliot: Bisher hat er über jedes Buch geschimpft, das über ihn geschrieben wurde. Ich habe jedoch noch nichts von ihm gehört. Ein gutes Zeichen, oder?

ZEIT Wissen: Es ist ja schon 25 Jahre her, dass Sie mit Jobs eng zusammengearbeitet haben. Ist Apple von damals überhaupt mit der Firma von heute vergleichbar?

Elliot: Die Kultur des Unternehmens ist ganz zentral für den Erfolg – und die ist heute immer noch diejenige, die Steve ganz am Anfang etabliert hat. Selbst in den Jahren, als er zwischenzeitlich das Unternehmen verlassen hatte, wurde diese Kultur weitergelebt.

ZEIT Wissen: Und was macht diese Kultur aus?

Elliot: Bei Apple dreht sich alles, wirklich alles um das Produkt. Die Leidenschaft dafür ist wichtiger als Bürokratie, Macht oder Einfluss. Es werden zum Beispiel keine Geburtstage gefeiert. Eine Party gibt es beim milliardsten iTunes-Store-Download oder wenn jemand einen Handy-Prototyp mit nur einer Taste entwickelt hat.

ZEIT Wissen: Könnten andere Firmenchefs das einfach kopieren?

Elliot: Im Prinzip schon, selbst wenn sie simple Dinge wie Tacker oder Kaffee verkaufen. Sie müssen ihren Mitarbeitern nur zeigen, wie sehr sie hinter dem Produkt stehen, dass sie dafür brennen. So wie Steve, der auf die Bühne geht und dort mit dem iPad verschmilzt. Eine solche Intensität zieht auch Talente an, und die machen die Produkte noch besser.

ZEIT Wissen: Sie stellen Steve Jobs aber auf ein ziemlich hohes Podest. Dabei soll es im Alltag ja schwierig sein, mit ihm zu arbeiten.

Elliot: Er ist sehr detailorientiert, das kommt den Produkten zugute. In meiner Zeit bei Apple habe ich immer darauf geachtet, ihn montagmorgens als Erstes zu treffen. Oft hat er am Wochenende etwas ausgebrütet. Und nicht selten kam es vor, dass er dann alle Pläne über den Haufen warf. Wer das nicht rechtzeitig wusste, arbeitete die halbe Woche umsonst. Einmal kam er etwa mit der Idee des lüfterlosen Computers aus dem Wochenende. Das hat uns sechs zusätzliche Monate Arbeit gekostet – aber es hat sich gelohnt.

ZEIT Wissen: Kann Apple noch erfolgreich sein, wenn Steve Jobs irgendwann einmal nicht mehr Chef ist?

Elliot: Bestimmt! Steve hat ein hervorragendes Team, das seine Vision teilt und diese auch ohne ihn umsetzen wird. Steve bewundert ja Walt Disney sehr. Nach Disneys Tod wurde dessen Idee weitergelebt und weiterentwickelt, heute klebt Mickey Mouse auf jeder Tasse. Apple hat eine große Zukunft.