Jeder weiß, wie es sich anfühlt, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Manche bereut man ein Leben lang – und schadet sich damit. Studien zeigen: Reue kostet Lebenszeit und -energie. Die negativen Gefühle lösen emotionalen Stress aus, der das Immunsystem schwächen kann. Daher ist es wichtig, den Umgang mit Fehlentscheidungen zu lernen. Schiedsrichter nutzen dafür Lehrgänge und Videoanalysen. Zwayer stellt sich nach strittigen Entscheidungen den erbosten Fans, Trainern, Reportern. »Ich stehe zu Fehlern. Das gehört zu meiner Art, sie aufzuarbeiten.« Ebenso wie die Analyse: »Ich versuche, die Situation zu rekonstruieren: Gab es eine rationale Erklärung?«

Es gab fast immer eine. Nicht nur auf dem Fußballplatz, auch für die Fehler, die uns täglich passieren. Auch wenn sich Entscheidungen später als falsch herausstellen, gibt es in dem Moment, in dem wir sie treffen, häufig gute Gründe dafür. Deshalb proklamieren viele Psychologen: Fehlentscheidungen gibt es nicht. Menschen, die sich für das Ergebnis ihrer Entscheidung verfluchen, raten sie, nach äußeren Umständen zu suchen, die dazu beigetragen haben.

Nach Ansicht einiger Psychologen verfügen wir von Natur aus über einen Schutzschild – ein »psychisches Immunsystem«, das uns das Leben nach einer Fehlentscheidung leichter machen kann. Wir sind, wie der Harvard-Psychologe und Entscheidungsforscher Daniel Gilbert herausgefunden hat, Meister des Selbstbetrugs. Wir nehmen die Welt so wahr, wie sie uns angenehm ist. Deshalb stellen wir dann nach dem nicht so schlauen Autokauf fest, dass die Sitze des spritschluckenden SUVs überaus bequem und die Außenspiegelheizungen äußerst effektiv sind. Wir konstruieren uns unser eigenes, synthetisches Glück.

Am einfachsten geht das Gilbert zufolge, wenn wir Entscheidungen verarbeiten, die wir aus dem Bauch heraus getroffen haben. Die bereuen wir weniger stark als das, was wir durchdacht und rational entschieden haben. Das Einzige, womit das psychische Immunsystem kaum fertig wird, ist das Gefühl, eine Chance verpasst zu haben: Keine Entscheidung bereuen wir mehr als die, nichts getan zu haben.

Felix Zwayer hat gelernt, Fehler abzuhaken, aus ihnen zu lernen. In den schwersten Momenten bliebe ihm noch ein simples Rezept, dessen Wirksamkeit kanadische Forscher kürzlich bestätigten: Schadenfreude. Wenn wir uns nach einer Fehlentscheidung mit Menschen vergleichen, denen es schlechter geht, fühlen wir uns besser. Für Zwayer würden sich Kollegen aus der Nachwuchsliga zum Vergleich anbieten. Denn: »Für junge Schiedsrichter gibt es kaum schlimmere Zuschauer als die Eltern von F-Jugend-Spielern.«