CONTRA von Bernulf Kanitscheider

Die Vereinbarkeit des naturwissenschaftlichen Weltbildes mit den Aussagen der monotheistischen Religionen hängt davon ab, ob der gläubige Wissenschaftler die Behauptungen der Religion wirklich ernst nimmt oder sie nur als Allegorien ansieht. Wenn er die theologischen Lehrsätze im Sinne einer zutreffenden Beschreibung akzeptiert, muss er an eine echte Kontaktzone von materieller Realität und spiritueller Transzendenz glauben.

Dann sind etwa die Unsterblichkeit der Seele, die ex nihilo Erschaffung des Universums und die Existenz von Wundern tatsächliche, in die empirische Welt hineinreichende Wirkungen der Transzendenz, so wie es von der katholischen Kirche gelehrt wird. Das führt zu Widersprüchen, die sich nur auflösen, wenn der Wissenschaftler die Überschneidungen des natürlichen und religiösen Bereichs leugnet. Die Glaubensinhalte erhalten dann einen rein psychologischen Status. Deshalb kann ein konsequenter Wissenschaftler nur gläubig sein, wenn er den dogmatischen Gehalt des Theismus – anders als die Kirche – als Bild oder Gleichnis betrachtet.

Die Frage nach dem Sinn unseres endlichen Daseins wird auch von säkularen Philosophen beantwortet und zwar keineswegs nur in nihilistischer Weise. Kein ungläubiger Wissenschaftler, der ein wenig begrifflich geschult ist, versucht Sinnfragen auf physikalische Kategorien zu reduzieren.