Hingegen weist das Dopamin bei Verliebten eine hohe Konzentration auf, insbesondere im Belohnungszentrum des Vorderhirns. Es reicht schon, ein Foto der geliebten Person zu zeigen, damit Dopamin ausgeschüttet und das Belohnungszentrum aktiviert wird, belegt eine Studie der Anthropologin Helen Fisher. Dass die so ausgelösten Glücksgefühle an diese spezielle Person gekoppelt sind, ist hingegen auf die Bindungshormone Oxytocin und Vasopressin zurückzuführen.

Vor allem Oxytocin fördert die emotionale Bindung an den Partner. Es wird bei angenehmem Körperkontakt wie Streicheln oder Massagen, beim Küssen und in besonders hohen Dosen während des Orgasmus ausgeschüttet, wirkt angstlösend und senkt die Ausschüttung von Stresshormonen. Die Folge: ein Gefühl der Geborgenheit und eine erhöhte Empathiefähigkeit.

Je höher also die Oxytocin-Konzentration, desto vertrauensseliger der Mensch und desto enger seine Bindungen? Nicht unbedingt. Aktuelle Studien lassen vermuten, dass ein hoher Oxytocin-Spiegel auch antisoziale Auswirkungen haben kann. Eine Arbeit des Niederländers Carsten De Dreu zeigt beispielsweise, dass sich die positiven, vertrauensfördernden Effekte von Oxytocin nur auf bereits bekannte Menschen und Mitglieder der eigenen sozialen Gruppe erstrecken. Fremden, die nicht Teil der eigenen Gruppe sind, begegneten die Probanden mit hoher Konzentration des Hormons hingegen mit mehr Neid, Misstrauen und Schadenfreude – Oxytocin verstärkt somit positive wie auch negative soziale Vorurteile.

Wie sie die Schwangerschaft managen

LH, FSH, Östradiol und Progesteron: So heißen die hormonellen Akteure, die den weiblichen Zyklus bestimmen – und damit auch den Prozess, der zur Schwangerschaft führt. Taktgeber ist dabei eine Eizelle, die gerade heranreift. Sie schüttet während ihrer vom Hormon FSH stimulierten Wachstumsphase in der ersten Zyklushälfte Östradiol aus. Zur Zyklusmitte hin übersteigt die Konzentration einen bestimmten Wert, und eine Kaskade wird in Gang gesetzt: Die Hirnanhangdrüse, die eine zentrale Rolle bei der Steuerung des Hormonsystems übernimmt, schüttet LH aus, das wiederum den Eisprung auslöst. Die hohe LH-Konzentration hemmt durch eine negative Rückkopplung die Östradiol-Bildung, sodass die Konzentration dieses Hormons wieder sinkt und in der Folge auch der LH-Spiegel wieder abfällt.

Mit der Eizelle verlässt der Follikel den Eierstock. Er ist die Schutzhülle, in der das Ei bis zu diesem Zeitpunkt herangereift ist, und entwickelt sich nun zum sogenannten Gelbkörper, welcher Östrogene und Progesteron bildet. Letzteres sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut wächst und durchblutet wird, damit sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Meist verkümmert der Gelbkörper jedoch, der Progesteronspiegel sinkt und leitet so die Regelblutung ein, die für die Ausscheidung der aufgebauten Gebärmutterschleimhaut und der Überreste des Gelbkörpers sorgt.

Wird die Eizelle aber befruchtet, stellt sich das sensible Hormongleichgewicht wie auf Kommando komplett um. Das sogenannte human chorionic gonadotropin (hCG) betritt die hormonelle Bühne. Es verhindert die Rückbildung des Gelbkörpers, der so weiterhin Östrogene und Progesteron produziert und die Schwangerschaft aufrechterhält. Die meisten Schwangerschaftstests messen daher heute den hCG-Spiegel im Blut, der etwa acht bis zehn Wochen nach der Empfängnis seinen Höchststand erreicht. In diesem Zeitraum beginnt die Plazenta, die Hormonproduktion des Gelbkörpers zu übernehmen.

Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft steigen der Progesteron- und der Östrogen-Spiegel kontinuierlich an. Dass der Embryo nicht abstirbt, ist dem Progesteron zu verdanken. Die Östrogene wiederum sorgen unter anderem für das Wachstum der Gebärmuttermuskulatur und für eine steigende Konzentration des Hormons Prolaktin, das nach der Geburt die Milchbildung anregt. Am Ende agieren die Hormone auch noch als Geburtshelfer: Wenn es so weit ist, leitet Oxytocin die Wehen ein.

Wie sie neue Lebensabschnitte einleiten

Auf dem Weg zum Erwachsenwerden ist die Pubertät eine entscheidende Entwicklungsphase. Startschuss für die turbulenten Jahre ist die Produktion des Proteins Kisspeptin. Es sorgt über mehrere Zwischenschritte dafür, dass die Sexualhormone LH und FSH ausgeschüttet werden. Bei Jungen kurbeln sie die Bildung von Testosteron an, das unter anderem Hoden und Penis wachsen lässt.

Bei Mädchen werden Östrogene gebildet, die Brust beginnt zu wachsen. Neben der Ausbildung der Geschlechtsmerkmale findet in der Pubertät außerdem die letzte große Wachstumsphase statt: Das steht in engem Zusammenhang mit der Ausschüttung der Geschlechtshormone. Bis zu acht Zentimeter im Jahr schießen die Mädchen in die Höhe, bei den Jungen sind es sogar bis zu zehn Zentimeter. Durch die verstärkt vorhandenen Sexualhormone neigen die Jugendlichen aber auch zu impulsiveren und emotionaleren Reaktionen. So kann es in der Phase, in der die Abnabelung von den Eltern oft Konflikte aufwirft, schnell zur viel zitierten Launenhaftigkeit und zu Streitereien kommen.

Einige Jahrzehnte später, meist zwischen 40 und 60, geht die Konzentration der Geschlechtshormone wieder zurück, was sich besonders bei den Frauen bemerkbar macht: In den Wechseljahren, dem Klimakterium, wird die Produktion des Östrogens verringert, bis der Menstruationszyklus mit der Monatsblutung aussetzt – die fruchtbare Phase der Frau ist damit beendet. Diese weitreichende Umstellung ist oft unangenehm: Schweißausbrüche, Libidomangel, Depressionen, Entzündungen und Trockenheit im Scheidenbereich sind keine Seltenheit.

Um die Beschwerden zu lindern, machen viele Frauen eine Hormonersatztherapie und nehmen Östrogene und oft auch Gestagene ein und schwächen so die auftretenden Komplikationen ab. Doch die Hormonersatztherapie ist umstritten: Es gibt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken; auch tiefe Beinvenenthrombosen und Lungenembolien sind offenbar häufiger. Viele Experten empfehlen einen Mittelweg: Die Behandlung sollte früh beginnen und möglichst nicht länger als etwa zehn Jahre dauern.