Das Pro von Optimist Moh'd Amro

Auch wenn die Aufregung es nicht vermuten lässt: Die Methode des Hydraulic Fracturing, kurz Fracking genannt, ist nicht neu. Um konventionelle Öl- und Gaslagerstätten zu erschließen, wird sie seit 1948 eingesetzt. Neu ist, dass man mit ihrer Hilfe sogenannte unkonventionelle Lagerstätten ausbeuten will – vor allem Schiefergas aus tief liegenden Gesteinsschichten. In Deutschland beträgt das technisch förderbare Potenzial 2.300 Milliarden Kubikmeter. Man könnte ohne Weiteres genug Schiefergas fördern, um ein Fünftel des deutschen Gasbedarfs auf mehrere Jahrzehnte zu decken.

Viele Bürger befürchten, dass durch die Fracking-Spülung das Grundwasser verunreinigt wird. Doch die Lagerstätten liegen 1.000 bis 4.000 Meter tief, und gerade in Deutschland sind sie durch geologische Formationen, etwa aus Ton oder Salz, von den Grundwasser führenden Schichten abgeschirmt. Wo die Frack-Flüssigkeiten aufsteigen könnten, würde auch Gas aufsteigen. Eine Kontamination des Grundwassers kann eigentlich nur von oben, von der Oberfläche aus, passieren.

Auf jeden Fall sollte Deutschland jetzt anfangen, das Fracking unter wissenschaftlicher Begleitung zu erproben. Die bestehenden Verfahren können nicht einfach aus anderen Ländern übernommen werden – dort herrschen andere geologische Bedingungen. Wir müssen die Verfahren erst einmal an die hiesigen Formationen anpassen. Dieser Prozess dauert rund zehn Jahre.

Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass sich die jetzige Erdgasversorgung beliebig lange fortsetzen lässt. Die Förderung aus deutschen Lagerstätten macht zurzeit noch ein Zehntel des Jahresbedarfs aus. Aber sie nimmt ab, und damit steigt unsere Abhängigkeit von Importen weiter. Zugleich hat die weltweite Öl- und Gasförderung ihren Peak bereits erreicht. Spätestens wenn die Preise für Erdöl und Erdgas weiter steigen, wird man uns vorwerfen, wir hätten nichts unternommen, um einen Engpass zu verhindern.

Wir müssen noch nicht sofort an das Schiefergas ran, aber wir müssen heute schon die Technologien entwickeln und erproben, wenn wir sie irgendwann einsetzen wollen. Dass hierbei Auflagen hinsichtlich Sicherheit und Umweltverträglichkeit einzuhalten sind, ist selbstverständlich. Und wenn Wissenschaftler und Förderfirmen dann zeigen, wie man Fracking sicher und umweltverträglich einsetzen kann, wird man sich auch in Deutschland dafür entscheiden.

Moh’d Amro ist Professor an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. Der Erdöl-Ingenieur studierte an der TU Clausthal-Zellerfeld und arbeitete einige Jahre in Saudi-Arabien, bevor er 2009 die Leitung des Instituts für Bohrtechnik und Fluidbergbau in Freiberg übernahm.