Innenzeit. Individueller biologischer Rhythmus des Körpers, gesteuert von der inneren Uhr. Diese sitzt zwei Zentimeter hinter der Nasenwurzel, im vorderen Hypothalamus. Zwei reiskorngroße Nervenzellhaufen steuern von dort aus unter anderem, wann wir müde oder munter werden. Nach der Innenzeit richten sich alle Abläufe im Körper, aber auch kognitive Leistungsfähigkeit und Stimmung. Zwischen 4 und 5 Uhr morgens sind Menschen am unglücklichsten, unabhängig davon, ob sie ausgeschlafen sind oder nicht. Licht beeinflusst die Innenzeit, sowohl natürliches als auch künstliches: Neuere Studien zeigen, dass Tablets, Laptops und Handys Menschen am Einschlafen hindern können. Die blauen Wellenlängen der Displaybeleuchtung unterdrücken die Melatoninausschüttung und halten uns wach. "Licht bei Nacht ist vollkommen unnatürlich, dem Menschen ursächlich fremd und deshalb eine starke Belastung", sagt Steven Lockley von der Harvard Medical School, "unser Gehirn glaubt dann, es sei Tag, weil es im Laufe seiner Evolution nie mit hellem Licht in der Nacht konfrontiert war."

Himmelszelt, auch Firmament (lat. firmamentum, "Befestigungsmittel", an dem Sonne, Mond und Sterne angeheftet sind); die Erde umfassender Raum, der die Menschen von höheren Mächten trennt. Am Nachthimmel sichtbare Sternenkonstellationen wurden bereits zu prähistorischer Zeit zu Figuren zusammengefasst. Die ersten heute noch bekannten Sternbilder beschrieben Ägypter und Babylonier, die antiken Griechen fügten weitere hinzu. Bis zum 17. Jahrhundert wurden weitere Konstellationen benannt, zum Beispiel "Giraffe" und "Einhorn". Um 1750 fügte der französische Astronom Nicolas Louis de Lacaille am nicht kartografierten südlichen Himmel unter anderem die Bilder "Chemischer Ofen" und "Luftpumpe" hinzu. Heute legt die 1919 gegründete Internationale Astronomische Union die Sternbilder verbindlich fest. Offiziell gibt es 88 Konstellationen, darunter "Mikroskop", "Pendeluhr" und "Teleskop". Nicht mehr in Gebrauch sind "Heißluftballon" und "Elektrogenerator". Viele verloren Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Status als Sternbilder.

Gesetze. Viele Jahrhunderte lang war klar: Nachts gibt es kein Recht, da sind die Gerichte und Kirchen geschlossen. Bereits das Zwölftafelgesetz, die Rechtsgrundlage des antiken Roms, wies Richter an, "nach Sonnenuntergang" keine Urteile zu fällen. Noch im späten Mittelalter sind nachts geschlossene Verträge oder Bündnisse ungültig oder können angezweifelt werden. Vor Gericht werden nächtliche Gesetzesverstöße schwerer bestraft – nur eine Tat wird milder beurteilt: das Erschlagen eines Eindringlings bei Nacht. Heute gilt in Deutschland: Von 22 bis 6 Uhr ist Nachtruhe. Einige Wildarten dürfen nicht gejagt werden. Ein generelles Nachtflugverbot existiert nicht, aber regionale Nachtfahrverbote für Lkws und Güterzüge. Wer mehr als zwei Stunden zwischen 23 und 6 Uhr arbeitet, leistet Nachtarbeit. Das Nachtbackverbot galt von 1915 bis 1996.

Freiheit. Bei Dunkelheit oder gedämpftem Licht überwinden Menschen leichter mentale Grenzen: Wir denken globaler und kreativer, achten weniger auf soziale Regeln und verhalten uns riskanter. Konkret wirkt sich diese Enthemmung unterschiedlich aus: In manchen psychologischen Studien wurden die Versuchspersonen bei schlechter Beleuchtung zutraulicher, gaben mehr persönliche Informationen über sich preis und umarmten fremde Menschen eher. In anderen Experimenten begannen die Probanden dagegen zu betrügen, offenbar weil sie sich in der Anonymität der Dunkelheit wähnten. Allein der Gedanke an die Nacht fördert kreatives Denken: In einem Experiment der Stuttgarter Psychologin Anna Steidle zeichneten Probanden besonders ausgefallene Bilder von außerirdischen Wesen, wenn sie bei schlechter Beleuchtung arbeiteten oder zuvor an Dunkelheit gedacht hatten. Und bloße Worte wie "Nacht" oder "schwarz" versetzten sie mental in die Lage, sich kreativere Verwendungsmöglichkeiten für einen Stein auszudenken.

Eule. Raubvogel der Nacht, der dank seines daunenreichen Gefieders lautlos fliegen kann. Eulen gelten seit je als Symbol der Weisheit, in Gruppen bilden sie sogar ein "Parlament". Die Bibel dagegen beschreibt sie als unreine Wesen des Bösen. Und im alten Rom soll der Schrei einer Eule den Tod eines Menschen angekündigt haben, die Ermordung Cäsars etwa. Ihren Körperteilen und Organen wurden trotzdem heilende Wirkungen nachgesagt: Rohe Euleneier empfahl man einst zur Ausnüchterung Betrunkener, gekochtes Eulenfett zur Wundheilung, gestampften Eulenmagen gegen Koliken und die Asche eines Eulenbalgs zur Behandlung von Wahnsinn.

Dunkelreaktion, auch Calvin-Zyklus: wird in der Nacht durchlaufen von allen Lebewesen, die Fotosynthese betreiben. Durch sie wird Kohlenstoffdioxid zu Glucose und Wasser reduziert.

Chrrr. Im Schlaf erschlaffen die Muskeln und das Gewebe im Rachenraum, weshalb viele Menschen schnarchen. Dabei erzeugen sie Atemgeräusche von bis zu 90 Dezibel, was dem Lärmausstoß eines fahrenden Lastwagens entspricht. Angetrunken schnarchen Menschen einer Studie zufolge fast drei Mal häufiger als nüchtern. Auch Übergewicht trägt dazu bei, weil sich Körperfett in Rachen und Hals ablagert und dort den Raum zum Atmen verengt. Abhilfe gegen das Schnarchen soll ein Training der Gaumen- und Zungenmuskulatur schaffen. Einer Studie im angesehenen British Medical Journal zufolge kann es helfen, das Blasinstrument Didgeridoo zu spielen. Ohrenstöpsel werden erstmals bei Odysseus erwähnt, sie dienten da jedoch vornehmlich zum Schutz der Schiffsbesatzung vor dem Gesang der Sirenen.

Bett. 23 Jahre ihres Lebens verbringen die Deutschen durchschnittlich mit Schlafen, die meisten davon im Bett. Dieses ist aber weit mehr als eine Ruhestätte, seine Pfosten sind auch die Pfeiler unserer Existenz: Im Bett werden wir geboren, und oft sterben wir auch darin. Goethe und Mark Twain schrieben ihre Werke teils im Bett, Henri Matisse entwarf dort seine Bilder. Alexander der Große hielt auf Feldzügen im Bett Kriegsrat ab, und mehrere französische Könige riefen im "lit de justice" sogar Kabinettssitzungen ein.

Aufstehen. In der zweiten Nachthälfte nimmt der Cortisolspiegel im Blut zu, erst langsam, gegen Morgen schubartig. Puls und Blutdruck steigen rapide an, die Leber stellt Energie bereit, die Muskeln werden stärker durchblutet. Das Risiko von Herzinfarkten wächst und ist zwischen 9 und 11 Uhr am höchsten. Das Gehirn braucht Zeit, um volle Funktionsfähigkeit zu erreichen. Kurz nach dem Aufwachen ist der Mensch mental weniger leistungsfähig als nach 24 schlaflosen Stunden. Weil das Langzeitgedächtnis im Schlaf eingeschränkt ist, sind am Morgen meist alle Träume vergessen – es sei denn, man erwacht direkt aus einem Traum oder kurz danach. Früher konnten sich die Menschen häufiger an ihre Träume erinnern, weil sie nachts kaum durchschliefen, sondern in Etappen ruhten. Der Körper, mit dem wir morgens aus dem Bett steigen, ist ein anderer als der, den wir am Abend hineingelegt haben: Er hat nicht nur unzählige Zellen erneuert, einen halben Liter Flüssigkeit ausgeschwitzt – er ist bis zu drei Zentimeter größer, weil die Bandscheiben, die am Tag zusammengedrückt worden sind, über Nacht wieder an Volumen gewonnen haben. Wir sind morgens also am größten!

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