Mensch, reparier doch das Ding!

Für weniger Müll: Tom Hansing und die Repair-Initiativen

Die Nähmaschine rattert, der Lötkolben zischt, es wird geschraubt, gefeilt, gehämmert. An langen Tischen sitzen Dutzende Männer und Frauen inmitten von Werkzeug aller Art, gebeugt über Kameras, Uhren, Spielzeug. Sie verfügen über Wissen, das sie gern weitergeben: Was tun, wenn der Laptop nicht mehr lädt, das Radio keinen Ton mehr hören lässt, der Griff vom Topfdeckel sich gelöst oder der Holzschemel ein Bein verloren hat? Die Experten vom Repair Café helfen. Gemeinsam mit den Besuchern reparieren sie kostenlos deren Gegenstände, die nicht einfach auf dem Müll landen sollen.

Überall in Deutschland sind zuletzt Reparatur-Initiativen entstanden, an die 200 binnen nur drei Jahren. Die Treffen, bei denen computeraffine junge Leute ebenso wie handwerklich versierte Rentner ihre Dienste anbieten, finden in Bürgerzentren oder Schulen, Künstlerateliers oder Kirchengemeinden statt. Den Anstoß zu der Graswurzel-Bewegung hatte das niederländische Stichting Repair Café gegeben, das für einigen Medienrummel sorgte. In Deutschland berät die Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis Menschen, die eine solche Initiative starten möchten. Sie vernetzt die Initiativen und macht auf ihrer Website bekannt, wann und wo demnächst repariert wird. "Eine zukunftsfähige Gesellschaft braucht informierte Bürger, die nicht einfach dummes Kaufvieh sind", sagt der zuständige Koordinator Tom Hansing, der selbst eine offene Siebdruck-Werkstatt für jedermann in Berlin gegründet hat. Die Treffs steigerten die Sensibilität dafür, dass man defekte Dinge nicht gleich wegwerfen muss, und es entstehe ein großer Schatz an Wissen, wie man sie reparieren kann. Hansing: "Viele Menschen wollen etwas beitragen zur Nachhaltigkeit. Indem sie die Nutzungsdauer ihrer Geräte verlängern, wird das Ressourcensparen für sie greifbar." Vor vier Monaten haben sich 120 Vertreter von deutschsprachigen Reparatur-Initiativen zu einer ersten Vernetzungstagung in München getroffen. Dort beschlossen sie, ein Reparatursiegel zu entwickeln, das die Menschen vor dem Kauf von Wegwerfprodukten bewahren soll. Denn manch ein Hersteller verhindert bewusst, dass man defekte Geräte wieder zum Laufen bringen kann – und schadet so nicht nur den Kunden, sondern vor allem auch der Umwelt. —