Wo ist Gott? Das ZEIT Wissen-Gespräch mit Martin Nowak

Bücher:
Martin A. Nowak, Kooperative Intelligenz, Das Erfolgsgeheimnis der Evolution, C.H. Beck, 2013
Martin A. Nowak and Sarah Coakley, Evolution, Games, and God, Harvard University Press, 2013
Francis S. Collins, Gott und die Gene, Herder, 2012
Edward O. Wilson, The meaning of human existence, Liveright, 2015
Richard Dawkins, Die Schöpfungslüge, Warum Darwin recht hat, Ullstein, 2012
Tom McLeish, Faith & Wisdom in Science, Oxford University Press, 2014

Leibesübungen unterm Christbaum

Die Tipps für ein harmonischeres Weihnachtsfest basieren auf der Embodiement-Theorie. Diese geht davon aus, dass unser Gehirn kein autonom funktionierendes Organ ist, das unabhängig von Umgebung und Körper funktioniert wie eine Maschine (Computer-Metapher), sondern dass unsere kognitiven Fähigkeiten von unserem Körper ebenso beeinflusst werden (Körperhaltung, Gefühlen, Kleidung, Gesten etc.) wie von den konkreten Kontexten (Raumhöhen, herrschender Temperatur, Sitzgelegenheiten etc.).

Hier die konkreten Quellen zu den einzelnen Tipps:

1. Lächeln Sie einfach, wenn Sie nichts mehr zu lachen haben

Darwin: "Selbst das Heucheln einer Gemüthsbewegung erregt dieselbe leicht in unserer Seele."
Darwin, Charles: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren, 1872, Cap. 14, S. 336

Gabel zwischen den Zähnen halten, ohne sie mit den Lippen zu berühren
Stepper, Sabine; Strack, Fritz; Martin, Leonard L.: Inhibiting and Facilitating Conditions of the Human Smile: A Nonobstrusive Test of the Facial Feedback Hypothesis, in: Journal of Personality and Social Psychology, 1988, Vol. 54, No. 5, Seite 768 - 777

"eeee" vor sich hinsummen, um bessere Laune zu bekommen:
McIntosh, Daniel N.; Zajonc, R. B.; Vig, Peter S.; Emerick, Stephen W.: Facial Movement, Breathing, Temperature, and Affect: Implications of the Vascular Theory of Emotional Efference, Cognition and Emotion, 1997, 11 (2), Seite 171-195

2. Reichen Sie warme Getränke, um ihre miesepetrige Verwandtschaft füreinander einzunehmen

Über die wichtige Wechselbeziehung zwischen Psyche und Berührung berichten Lisbeth Marcher, Erik Jarlnaes und Kristine Münster in: Die somatischen Grundlagen der Berührung, in: Marlock, Gustl; Weiss, Halko: Handbuch der Körperpsychotherapie, 2006, S. 531

Menschen empfinden sozialen Ausschluss / soziale Akzeptanz unmittelbar körperlich als Kälte bzw. Wärme: Zhong, Chen-Bo; Leonardelli, Geoffrey J.: Cold and Lonely. Does Social Exclusion Literally Feel Cold?, Psychological Science, Volume 19, Nr. 9, September 2008, Seite 838-842

Hühnersuppe dämpft Einsamkeitsgefühl:
Troisi, Jordan D.; Gabriel, Shira: Chicken Soup Really Is Good for the Soul: "Comfort Food" Fulfills the Need to Belong, Psychological Science, Juni 2011, 22 (6), Seite 747-753

3. Setzen Sie quengelnde Kinder auf weiche Stühle, um sie friedlich zu stimmen – und sich selber auf einen harten, um den Überblick zu behalten

Über die Wechselbeziehung zwischen Berührung und Urteilsvermögen schreibt Steve Bradt: How touch can influence judgments, 24. Juni 2010, Harvard gazette

Ackerman, Joshua M.; Nocera, Christopher C.; Bargh, John A.: Incidental Haptic Sensations Influence Social Judgments and Decisions, 25. Juni 2010, Science, Vol 328, Seite 1712-1715

4. & 5. & 6. Sorgen Sie für frische Luft, tanzen Sie gemeinsam einen Hüpftanz und singen Sie ein paar Lieder, um Ihre Familie feierlich zu stimmen

Sauberer Geruch lässt Menschen anständiger handeln
Liljenquist, Katie; Zhong, Chen-Bo; Galinsky, Adam D.: The Smell of Virtue: Clean Scents Promote Reciprocity and Charity, 2010, Psychological Science, 21(3) Seite 381–383

Hüpftanz macht gute Laune / hat antidepressive Wirkung
Koch, Sabine; Morlinghaus, Katharina; Fuchs, Thomas: The joy dance. Specific effects of a single dance intervention on psychiatric patients with depression, The Arts in Psychotherapy 34, 2007, Seite 340–349

Gemeinsames Musizieren synchronisiert Hirn und Herz
Sänger, Johanna; Müller, Viktor; Lindenberger, Ulman: Intra- and interbrain synchronization and network properties when playing guitar in duets. Frontiers in Human Neuroscience, 2012

Mein 100-Kilometer-Lauf

Die These, dass der Mensch von der Evolution zum Langstreckenlauf konzipiert ist, haben Dennis Bramble und Daniel Lieberman in ihrem Artikel Endurance running and the evolution of Homo im Wissenschaftsmagazin Nature begründet.

Ein großartiges Buch über Langstreckenlaufen, das von den physiologischen Grundlagen bis zum Trainingsplan alles umfasst, ist The Lore of Running von Tim Noakes (Human Kinetics, 4th ed., 2003). Noakes ist Sportmediziner und selbst Ultraläufer.

In seinem Buch The Human Machine erklärt der britische Biologe Robert McNeill Alexander in sonst unerreichter Anschaulichkeit die Biomechanik des menschlichen Körpers (Columbia University Press, 1992).

Die Zumutung: Im Kosmos haust ein Gespenst

Die Liste der Bücher, die sich mit dem kosmologischen Standardmodell beschäftigen ist lang. Unbedingt empfehlenswert ist Richard Paneks Das 4%-Universum (Hanser): ein Wissenschaftsreport, der nicht nur nachzeichnet, wie sich im Laufe von 60 Jahren die Hypothesen von Dunkler Materie  und Dunkler Energie verdichteten, sondern auch, mit welchem Ehrgeiz Wissenschaftler Entdeckungen nachjagen.

Alan Guth hat seine Inflationstheorie in Die Geburt des Kosmos aus dem Nichts (Droemer) selbst erklärt – ein Bericht aus erster Hand also. Ebenfalls lohnenswert sind Max Tegmarks Unser mathematisches Universum (Ullstein) und Brian Cleegs Vor dem Urknall (Rowohlt).

Interessante Artikel sind:

Die Nobelstiftung bietet außerdem auf ihrer Seite zum Physiknobelpreis 2011 für Brian Schmidt, Adam Riess und Saul Perlmutter – für ihre Beiträge zur Formulierung des kosmologischen Standardmodells – Hintergrundinformationen an, sowohl eine kürzere populärwissenschaftliche als auch eine detailliertere.

Empathie

Eines der wichtigsten Bücher der vergangenen Jahre zum Thema Empathie hat Frans de Waal geschrieben: In Das Prinzip Empathie (Hanser) berichtet er über entscheidende Forschungsergebnisse aus der Primatenforschung, aber auch aus anderen Disziplinen.

Fritz Breithaupt gibt in Kulturen der Empathie (Suhrkamp) einen Überblick über mögliche Theorien der Empathie, die auf Erkenntnisse aus Hirnforschung, Biologie und Kulturwissenschaft zurückgreifen.

Von Michael Tomasello sind für die evolutionsbiologische Perspektive empfehlenswert: Warum wir kooperieren (Suhrkamp/edition unseld) und Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens (Suhrkamp). Beides, Kooperation und Denken, sind mit der Entstehung der Empathiefähigkeit untrennbar verbunden.


Höhlenforschung

Das Problem mit den Nebenhöhlen ist, dass sie eben (noch) sehr schlecht erforscht sind - im Gegensatz zum Asthma beispielsweise. Man kann noch nicht mal empirisch feststellen, ob die Krankheit in den vergangenen Jahren häufiger geworden ist. Die einzige Studie dazu ist aus dem Jahre 2011: Da haben Wissenschaftler um Deniz Hastan von der Universität Amsterdam festgestellt, dass elf Prozent der Europäer an einer chronischen Sinusitis leiden

Auch die Medikation ist schlecht erforscht. Was wirkt, was nicht? Man weiß es nicht. Aber ein paar Wissenschaftler, unter anderem Claus Bachert, wurden vor ein paar Jahren vom Pharmahersteller Bionorica beauftragt, das Mittel Sinupret zu testen. In einer doppelblinden, randomisierten Studie stellten sie fest, dass Sinupret eine akute Nebenhöhlenentzündung um etwa 3,8 Tage verkürzen kann.

Interessant, vor allem für Mediziner, ist das Buch Rhinosinusitis - A Guide for Diagnosis and Management, herausgegeben von Erica R. Thaler und David W. Kennedy.

Wer grundsätzlich verstehen möchte, wie die Nebenhöhlen funktionieren, ist mit folgendem Buch gut bedient: Wirksame Hilfe bei entzündeten Nasen-Nebenhöhlen von Rainer Jund.

Die kluge Fabrik

Das myyogurth-Projekt der Universitäten erklärt diese Projektskizze. Den Joghurt kann man auf dieser Webseite der Universität Stuttgart bestellen.

Den Cyberangriff auf ein Stahlkraftwerk erwähnt das BSI in seinem Jahresbericht 2014.

Die Unternehmensberatung Boston Consulting sagt der deutschen Industrie dank Industrie 4.0 eine Umsatzsteigerung von 30 Milliarden Euro pro Jahr voraus.

Die Technikakademie acatech glaubt an Produktivitätssteigerungen von 30 Prozent dank Industrie 4.0.

Laut einer umstrittenen Studie von zwei britischen Ökonomen sind in den USA knapp die Hälfte aller Berufe durch die Automatisierungswelle bedroht sei. In Deutschland, behaupten zwei Ökonomen der ING-DiBa, sind 18,3 Millionen Arbeitsplätze in ihrer jetzigen Form durch die fortschreitende Technologisierung bedroht. Die Soziologinnen Sabine Pfeiffer und Anne Suphan nehmen die Thesen und Methoden der Ökonomen in diesem Aufsatz auseinander.

Industrie 4.0 ist die erste von oben verordnete industrielle Revolution, schreibt Wolf Lotter in brandeins.

Die Ironies of Automation beschreibt dieser Aufsatz von 1983. Ein Klassiker.

Tot?

Seit die moderne Wiederbelebungsmedizin vor rund 60 Jahren erfunden wurde, hat sie sich enorm weiterentwickelt. Die größten Fortschritte sind wohl der Hypothermie zu verdanken, wie große Übersichtsstudien beschreiben.

Je mehr Mediziner darüber lernen, den Tod aufzuhalten, desto mehr beschäftigen sie sich auch mit der Frage, was mit unserem Bewusstsein in jener Zeit passiert, in der unser Körper medizinisch tot ist – eine uralte Frage, über die sich Platon und Aristoteles schon im berühmten Dialog Phaidon stritten (hier ist der übersetzte Volltext).

Einer der interessantesten Wissenschaftler in diesem Spannungsfeld ist Sam Parnia, den unser Autor in seiner Klinik in New York traf. Sein Buch Der Tod muss nicht das Ende sein beschäftigt sich auch mit den so genannten Nahtoderfahrungen.

Mehr als 4 Prozent aller Deutschen geben an, schon einmal eine Nahtoderfahrung gemacht zu haben. Zu diesem Ergebnis kommen Soziologen um den Berliner Professor Hubert Knoblauch.

Wie weit verbreitet Nahtoderfahrungen quer durch die Jahrtausende und Kulturen sind, hat Hans Peter Duerr in seinem neuen Werk Die dunkle Nacht der Seele zusammengetragen.