Martin Luther King spricht von seinem Traum. Amy Winehouse singt von Liebeskummer. Schlösse man die Augen und nähme man ihren Worten den Sinn, es bliebe eine Kraft, die Begeisterung auslöst oder Herzschmerz.

Diese Kraft liegt in der Stimme. Wenn wir sie nutzen, strömt, schwingt, vibriert es in uns. Sie ist ein hochkomplexes und sensibles System, kein Instrument lässt sich so fein modulieren wie die Stimme des Menschen. Ihre Nuancen verraten Alter und Charakter, Wohlbefinden und Selbstverständnis. Aus ihr können wir mehr heraushören, als uns oft bewusst ist – und weniger in ihr verbergen, als uns recht ist. Der Stimmforscher Hartwig Eckert nennt sie daher unsere "intime Visitenkarte".

Stimme ist Feinmechanik

Die Stimme ist das Geräusch schwingender Stimmlippen, im Volksmund Stimmbänder genannt. Diese Lippen sind etwa anderthalb bis zweieinhalb Zentimeter lang und sitzen im Kehlkopf am oberen Ende der Luftröhre. Muskeln und Knorpel können sie dazu bringen, sich eng aneinanderzulegen oder zu öffnen. Atmen wir, strömt die Luft ungehindert zwischen ihnen hindurch. Wenn wir aber einen Ton erzeugen wollen, schieben sich die Stimmlippen der Atemluft in den Weg, sodass sie von dieser in Schwingung versetzt werden: Mehr als hundertmal pro Sekunde öffnen und schließen sie sich dann – und bringen dadurch wiederum die Luft in Vibration. Ein Ton entsteht. Rachen, Nase und Mund wirken als Resonanzkörper, der den Klang der Stimme formt und verstärkt.

Stimme ist Macht

Stellen wir uns für einen Moment diese Szene vor: Ein Geschäftsführer steht am Rednerpult und spricht zu seinen Mitarbeitern. Es geht um die Zukunft des Unternehmens, es lohnt sich zuzuhören. Doch die Stimme des Mannes ist belegt, ständig räuspert er sich. Als sein Vortrag zu Ende geht, ist ganz egal, was er gesagt hat: Es bleibt ein unangenehmes Gefühl.

Psychorespiratorischer Effekt heißt das Phänomen, das dem Mann zum Verhängnis wurde: Wenn wir einem Menschen zuhören, vollziehen wir seine Sprechweise innerlich nach. Wer beruhigend spricht, besänftigt sein Publikum. Wer mit heiserer Stimme krächzt, lässt es mitleiden.

In der Ratgeberliteratur wimmelt es nur so von Beispielszenen wie dieser. Die Werke heißen Mit Stimme zum Erfolg oder Meine Stimme – Mein Erfolg oder Voice sells – Die Macht der Stimme im Business. Im Internet bieten zusätzlich zahlreiche Stimmtrainer ihre Dienste an und beschwören den "Wirtschaftsfaktor Stimme".

Gerade für Beruf und Karriere wird der Stimme Einfluss zugesprochen. Inwiefern sie tatsächlich über den beruflichen oder politischen Erfolg eines Menschen entscheidet, wollten Forscher der Florida Atlantic University ergründen. Dafür ließen sie von mehreren Männern und Frauen einen Satz in ein Mikrofon einsprechen: "Ich fordere Sie auf, mich im November zu wählen." Die Aufnahmen veränderten sie anschließend digital – jeweils in eine höhere und eine tiefere Stimmlage – und spielten sie rund 800 Testpersonen vor. Das Ergebnis: Die Hörer, gleich welchen Geschlechts, entschieden sich für die jeweils künstlich vertieften Stimmen. "Auch dann, wenn Wähler bewusst nach politischen Präferenzen entscheiden, werden sie gleichzeitig von feinen Nuancen beeinflusst, von denen sie vielleicht nicht einmal etwas ahnen", sagt Rindy Anderson, eine der Autorinnen der Studie.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Magazin 2/18.

Auch ein italienisches Forscherteam untersuchte die Wirkung von Stimmen, nutzte aber speziell die Stimmen homosexueller Menschen: im Schnitt eher hohe Männerstimmen und tiefe Frauenstimmen. Die Hörer bewerteten diese meist als führungsschwach – ohne dabei die sexuelle Orientierung zu kennen.

Insgesamt sind sich Wissenschaftler nicht sicher, welche Stimmhöhe der Karriere einer Frau dient. Bei Männern aber ist es eindeutig: Tiefe Stimmen gelten als vertrauenswürdig, durchsetzungsfähig und kompetent, das zeigen zahlreiche Studien.

Die Sprachtrainerin Cornelia Moore hält nicht viel von der Frage, wie eine Stimme klingen muss, um gut anzukommen. "Eine Stimme berührt uns dann, wenn sie authentisch ist und nicht wenn sie einem Ideal nacheifert", sagt sie. Ein gutes Stimmtraining hebe die Stimme daher nicht auf eine bestimmte Höhe, sondern befreie sie von falschen Erwartungen.

Der Körper als Instrument

Die natürliche Stimmlage eines Menschen heißt Indifferenzlage. In dieser kann jeder ohne Mühe längere Zeit sprechen. Sie zu finden dauert nur wenige Sekunden: Man stelle sich einfach ein entspanntes Gespräch vor, bei dem man gelegentlich ein bekräftigendes "Mmh ... mmh" von sich gibt. Fertig. Dieser Ton entspricht unserer natürlichen Stimmlage.

"Der Körper ist unser Instrument", sagt Cornelia Moore. Und so wie niemand von einem Klavier erwarte, dass es wie ein Cello klinge, sollten wir auch unsere Stimme so annehmen, wie sie ist.

Wie stark Erwartungen Stimmen aber beeinflussen können, zeigt ein interessantes Phänomen: Seit ein paar Jahrzehnten werden die Stimmen der Frauen in mehreren europäischen Ländern immer tiefer. Soziologen halten das für eine Folge der Emanzipation – zumal eine Studie ergab, dass Frauen im fortschrittlichen Norwegen tiefer sprechen als jene im konservativen Italien.

Die Stimmlippen der Frauen sind meist kürzer und dünner als die von Männern und schwingen dadurch vergleichsweise schnell. Je schneller die Schwingung, desto höher der Ton. Das gilt für eine Geige ebenso wie für einen Menschen.

Die Emanzipation aber bringt keine Mädchen mit verändertem Sprechapparat hervor, erst recht nicht so schnell. Das Absinken der Stimmen, so die Vermutung der Wissenschaftler, deute vielmehr darauf hin, dass die Art, wie wir sprechen, auch Rollenvorstellungen offenbart: Wer Schutzbedürftigkeit ausdrücken will, spricht höher, Stärke hingegen klingt tiefer.

Und auch die Hörgewohnheiten sagen etwas über die Ideale einer Gesellschaft aus. Es ist kein Zufall, dass Alexa, Siri und Cortana, die Ansagen von Navigationssystemen oder die in der S-Bahn alle weiblich klingen. Im Alltag lassen wir uns lieber von Frauen sagen, wo es langgeht – das hat eine Studie der Indiana University Bloomington bestätigt, zumindest bei digitalen Sprachassistenten. Dazu gibt es verschiedene Erklärungsansätze: Eventuell liegt es an der frühkindlichen Prägung, die uns lehrt, dass die Mutter allwissend ist. Oder daran, dass Auskunftstätigkeiten in der Vergangenheit meist von Frauen ausgeübt wurden. Oder aber es hat schlicht einen akustischen Grund: Weibliche Stimmen sind in einer lauten Umgebung einfach besser herauszuhören.

Stimme ist Anziehung

"Mehr als die Schönheit selbst bezaubert die liebliche Stimme", schrieb einst der Dichter Johann Gottfried von Herder. Und auch etwa 250 Jahre später scheint das noch zu gelten. Bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK, durchgeführt im Auftrag einer Datingplattform, gaben zwei von drei befragten Personen an, Stimme spiele eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl.

Das Grundprinzip dieser Anziehungskraft ist wissenschaftlich gut erforscht: Es geht, wie so häufig, um Fortpflanzung. Wie aus breiten Schultern und breiten Hüften ziehen wir auch aus dem Klang der Stimme Rückschlüsse darauf, ob das Gegenüber sich zum Kinderzeugen eignet oder nicht.

Die Forschung betrachtet Männer und Frauen bei solchen Fragestellungen dementsprechend stets als potenzielle Partner, das gleiche Geschlecht dagegen als potenzielle Konkurrenz. Homosexualität oder Abweichungen vom binären Geschlechtssystem finden kaum Beachtung. Zum Teil auch aus Mangel an Probanden. Heraus kam: Frauen vermuten hinter tiefen Männerstimmen attraktive Menschen, Männer verbinden damit dominante Typen. Dass tiefe Männerstimmen auf Frauen anziehend wirken, ist vielfach erwiesen. Die Rückschlüsse aber, die Probandinnen in Studien daraus zogen, waren meist falsch: Körpergröße, Muskelmasse oder Brustbehaarung eines Mannes lassen sich aus dessen Stimmklang nicht zuverlässig ableiten.

Stimmliches Face-Lifting

Wann und warum eine Frauenstimme anziehend wirkt, ist dagegen bei Weitem nicht so eindeutig. Zwar zeigten Wissenschaftler, dass Frauen rund um ihren Eisprung, also während ihrer fruchtbaren Tage, sowohl für Hörer als auch für Hörerinnen besonders attraktiv klingen (bei Frauen, die hormonell verhüten, bleibt dieser Effekt entsprechend aus). Was aber genau attraktiv bedeutet, verrät die Studie nicht. Andere Untersuchungen haben ergeben, dass Männer zwar eine hohe weibliche Tonlage bevorzugen, sehr hohe, kindliche Stimmen dann aber wieder nicht so gut finden. Und Frauen sehen das offensichtlich eh anders: Werden sie gebeten, verführerisch zu sprechen – oder wollen selbst so klingen –, senken sie ihre Stimme meist.

Als ein internationales Forscherteam in einer Studie ergründen wollte, welche Bedeutung der Klang der Stimme überhaupt für das Paarungsverhalten hat, verglichen die Wissenschaftler nicht nur menschliche Stimmen miteinander, sondern bezogen auch die Stimmen von Menschenaffen wie Gorillas und Orang-Utans mit ein. Grundsätzlich gilt: Bei monogam lebenden Geschöpfen – und dazu zählt die Forschung den Menschen – unterscheiden sich die Stimmlagen weniger. Wo dagegen ständig neue Partner geworben und Konkurrenten ausgestochen werden müssen, klingen Männchen und Weibchen meist sehr unterschiedlich. Die Forscher fanden heraus, dass die Stimmen sich bei keiner anderen Gattung aus der Familie der Menschenaffen so sehr unterscheiden wie beim Menschen. Die Stimme scheint also eine große Rolle zu spielen, und das nutzt der Mensch, mal mehr, mal weniger bewusst. Die US-amerikanische Psychologin Susan Hughes führte Experimente dazu durch, inwiefern wir uns stimmlich anstrengen, wenn wir mit attraktiven Menschen sprechen. Wie in der Sozialforschung üblich, griff sie zu einem Trick: Hughes bat Männer und Frauen, Teilnehmer einer Umfrage anzurufen und ihnen eine Nachricht auf den Anrufbeantworter zu sprechen. Dafür bekamen sie Informationen und auch Fotos von den Personen, die sie anrufen sollten. In Wirklichkeit gab es weder diese Personen noch die Umfrage. Die eigentlichen Probanden waren diejenigen, die die Nachrichten hinterließen. Die Männer unter ihnen wurden gebeten, bei weiblichen Teilnehmern anzurufen, die Frauen bei männlichen. Das Ergebnis: Bei dem Foto nach attraktiven Menschen sprachen alle Probanden mit einer tieferen Stimme auf den Anrufbeantworter als bei den nicht so attraktiven. Aber nicht nur sexuelles Begehren offenbart sich in der Stimme. Auch ob wir für ein Gegenüber Liebe oder Freundschaft empfinden, ist uns anzuhören, fand Hughes heraus. So wählten Männer im Gespräch mit der Liebsten eine etwas höhere Tonlage, Frauen hingegen senkten ihre Stimme. Das sei "eine Form der Nachahmung, ein Mittel, um Zuneigung und Verbundenheit auszudrücken", sagt Hughes.

Der Zürcher Paartherapeut Jürg Willi ist gar überzeugt: "Wenn es darum geht, ob eine Liebe hält, ist kein Merkmal so wichtig wie die Stimme. Nicht das Aussehen, nicht die Intelligenz, nicht die Macht."

Angesichts ihrer Bedeutung schenken Menschen ihrer Stimme wenig Beachtung. Zumindest ist es nicht gerade üblich, sich vor einem Date stimmlich zurechtzumachen. Doch wie sähe das überhaupt aus?

Die Stimmtrainerin Cornelia Moore empfiehlt dieses "stimmliche Face-Lifting": mit den Fingerspitzen das Gesicht beidseitig zart massieren. Erst die Partie über dem oberen Wangenknochen am äußeren Augenwinkel, dann unterhalb der Wangenknochen und zuletzt unterhalb des Kiefergelenks. "Wenn ich meine Stimme öffnen möchte, muss ich mich öffnen", sagt sie.

Stimme ist Identität

Sie ist das wichtigste Kommunikationsmittel der Menschheit und das erste. Die Stimme der Mutter umgibt einen Menschen schon vor der Geburt. Ein ungeborenes Kind kann seine Mutter nicht sehen, nicht riechen, nicht fühlen, aber es hört sie.

Kaum ist das Baby auf der Welt, macht es sich seinerseits über die Stimme bemerkbar: Es schreit. Wissenschaftler der Universität Würzburg fanden heraus, dass sich Neugeborene aus verschiedenen Ländern in Melodie und Rhythmus ihrer Schreie unterscheiden. Babys aus Kamerun und China klingen zum Beispiel melodischer. "Ihr Weinen glich mehr einem Singsang", sagt Studienleiterin Kathleen Wermke. Damit imitierten sie ihre Muttersprachen, in denen es, anders als zum Beispiel im Deutschen, sehr auf Tonhöhe und Betonung ankomme, vermuten die Forscher.

Mit der Zeit verändert sich die Stimme und erzählt, wie ein Mensch altert: Die Knorpel im Kehlkopf verlieren an Beweglichkeit, die Muskeln an Kraft, die Stimmlippen an Elastizität. Deshalb klingen ältere Stimmen rau und die von Kindern klar. Eine Untersuchung der Technischen Universität Berlin ergab, dass Menschen anhand der Stimme eher das biologische Alter einer Sprecherin erkennen als das Alter, das aus dem Personalausweis hervorgeht. Das biologische Alter eines Menschen ergibt sich aus der Lebensführung und dem damit verbundenen Abnutzungsgrad der Organe, Knochen und Gelenke. Unsere "intime Visitenkarte" verrät also, wie gut wir uns gehalten haben.

Unterschätzte Fähigkeiten

Und nicht nur das, die Stimme spiegelt auch unseren Charakter wider. Der Stimmforscher Walter Sendlmeier fand heraus: Aufgeschlossene Menschen sprechen schneller, lauter und melodischer als zurückhaltende, und das unabhängig davon, was sie sagen und zu wem. Sorglose Menschen sprechen tiefer und mit weniger Ausreißern als sensible. Das lässt sich messen und auf zackigen Schaubildern darstellen – und bietet große Chancen für Psychologie und Medizin. Denn auch Parkinson, ADHS und Depression schlagen sich in der feinen Muskelmechanik der Stimme nieder. Die Krankheiten können dank computergestützter Analysen früher erkannt und ihre Verläufe besser bestimmt werden. Wirkt die Stimme von Kindern mit ADHS beispielsweise erst einmal einfach nur lebendig, offenbaren sich einige Besonderheiten in einem Bereich, den das menschliche Ohr nicht wahrnimmt: Auf der Mikroebene zeigt sich, dass ihre Laute in bestimmten Frequenzbereichen nur sehr wenig variieren. Was so abwechslungsreich klingt, erscheint auf dem computergenerierten Schaubild erstaunlich starr und monoton. Bei Kindern, die einfach nur temperamentvoll sind, sieht das anders aus. Programme, die solche nicht hörbaren Feinheiten ermitteln, sind auch in Deutschland bereits im Einsatz.

Stimme ist Stimmung

Wenn wir sprechen, sind wir in Bewegung. Und wenn uns etwas bewegt, dann ist uns das anzuhören. Die Stimmlippen können sich stark oder schwach, harmonisch oder unruhig bewegen. Fröhliche, aber auch verärgerte Menschen sprechen abwechslungsreich; die Frequenz, in der ihre Stimmlippen schwingen, variiert stark. Muskeln und Knorpel im Kehlkopf sind eifrig am Werk. Angst und Trauer hingegen lähmen die Muskeln und lassen Stimmen monoton klingen. Körperliche Anspannung wiederum, ob vor Angst oder Freude, erfasst auch die Stimmlippen und treibt den Ton in die Höhe. "Obwohl das menschliche Ohr für solche Nuancen hochsensibel ist, werden unsere Fähigkeiten in diesem Bereich oft stark unterschätzt", sagt Walter Sendlmeier. Das zeigt auch eine Studie der Yale University. Rund 1.800 Probanden sprachen miteinander oder beobachteten einander beim Sprechen. Konnten die Teilnehmer eine Person nicht sehen, nur hören, so schätzten sie deren Gefühle besonders treffsicher ein. Besser gar, als wenn sie die Person sahen und hörten. Zwei Gewebebändchen von der Länge eines Fingernagels verraten also mehr als das Gesicht mit seinen über 50 Muskeln.

Dieses Mittel der Mitteilung könnten wir noch viel stärker nutzen. Cornelia Moore empfiehlt, im Alltag spielerischer mit der Stimme umzugehen, mehr Emotionen in sie zu legen. "Lassen wir diese Bewegung zu", sagt die Stimmtrainerin. Und empfiehlt eine Übung namens "Spirale": Im Stehen oder Sitzen das Becken leicht im Uhrzeigersinn kreisen. Diese Bewegung entlang der Wirbelsäule bis in den Kopf fortsetzen: Die Impulse gehen vom Becken aus und erstrecken sich spiralförmig nach oben. Die Bewegungen des Kopfes folgen denen des Beckens mit einer Verzögerung. Das soll Blockaden lösen.

Allerdings möchten wir vielleicht gar nicht immer preisgeben, wie es in uns aussieht, und verstellen dann unsere Stimme. Moore rät, statt der Stimme lieber die Stimmung anzupassen. Zu versuchen, sich innerlich von einer möglicherweise belastenden Situation zu lösen. Zur Entspannung lange auszuatmen. Und im Zweifelsfall weniger zu reden. Stimme, Stimmung und Person seien so eng miteinander verknüpft, dass es uns belaste, wenn sie nicht zusammenpassten, sagt Moore. "Eine authentische Stimme braucht keine bestimmten Übungen, sie braucht vor allem Achtsamkeit", sagt Moore. Das lässt sich aufs Leben generell übertragen.

Während sich unsere Umgebung zunehmend digitalisiert, wird die Stimme wichtiger: in Sprachnachrichten, sprachgesteuerten, smarten Umgebungen. Unklar, wie sich das auf Stimme und Wahrnehmung auswirken wird. Eines aber steht fest: Sprechen zwei Menschen von Angesicht zu Angesicht miteinander, versetzen sie einander auch in Zukunft in Schwingungen.

Als Astrid Hansen mit sechzehn ihren Freund kennenlernte, fand sie seine Stimme komisch. Heute kann sie sich das nicht mehr erklären. Vielleicht hat sie sich schlicht daran gewöhnt, die beiden sind mittlerweile verheiratet.

Die Quellenangaben zum ZEIT-Wissen-Artikel finden Sie hier.