Neben steigenden Standards braucht es Limits und Obergrenzen, beispielsweise für den Flugverkehr. Wenn wir unsere eigenen Worte zum Klimaschutz ernst nehmen, gilt es, die weitere Expansion zu begrenzen. Die Deutschen fliegen zu viel. Es darf nicht noch mehr werden. Der schlichte Vorschlag: Wir limitieren die Starts und Landungen auf dem gegenwärtigen Niveau. Ganz einfach. Was müsste die Bundesregierung dafür tun? Nichts! Wenn die Regierung keine weiteren Lizenzen für Starts und Landungen vergibt, wenn München und Hamburg ihre Flughäfen nicht erweitern, dann wird das Limit automatisch erreicht. Oft geht es darum, etwas besser zu lassen, als es besser zu machen.

Außerdem sollten wir den Ausbau der Straßen beenden. Nur so lässt sich vermeiden, dass der Lkw-Verkehr weiter zunimmt. Das eingesparte Geld könnte der Verkehrsminister in die Bahn investieren. In der Folge würden Spediteure ihre Routinen ändern.

Das Konzept der Ökoroutine beginnt nicht in den Köpfen, sondern bei der Infrastruktur. Es beginnt mit Radschnellwegen, Busspuren und dem Rückbau von Parkplätzen. Es muss einfacher und cleverer sein, mit dem Nahverkehr oder dem Fahrrad in die Stadt zu fahren. Wenn die Planer eine Pkw-Spur in einen Busstreifen verwandeln, steigen Autofahrer, das ist erwiesen, genau dann in den Bus um, wenn sie ihr Ziel damit schneller erreichen.

Für breite und sichere Radschnellwege werden die Planer auch mal Parkstreifen opfern müssen. Das heißt, der Verkehrsraum ist neu aufzuteilen. Die Transformation von der autogerechten zur menschengerechten Stadt wird nicht durch Absichtserklärungen und moralische Appelle erreicht, sondern durch gute Strukturen.

Utopisch? Nein. Es gibt Vorbilder, wie sich Verhaltensnormen durch ordnungspolitische Maßnahmen in kurzer Zeit radikal ändern können: Dass in Zügen, Restaurants und öffentlichen Gebäuden heute nicht mehr geraucht werden darf, ist innerhalb weniger Jahre eine Selbstverständlichkeit geworden.

Meine Freundin Luisa unterstützt übrigens das Konzept der Ökoroutine. Wenn alle Lebensmittel beim Discounter eines Tages aus ökologischer Produktion stammten, könnte sie damit gut leben. Auch wenn sie teurer sind. Sie sagt, sie fände es befreiend.

Statt sich dem persönlichen Ohnmachtsgefühl hinzugeben, nimmt Luisa jetzt an Demonstrationen teil. Denn die beschriebenen Strukturen und Limits kommen nicht von allein. Dafür müssen sich Menschen engagieren. Zum Beispiel Sie! Eine schlichte Form von Engagement ist Protest, etwa bei der Demo "Wir haben es satt!" zu Jahresbeginn. Zehntausende forderten bessere Standards in der Landwirtschaft.

Oder Sie besetzen ein Braunkohlerevier. Wem das zu riskant ist, der kann an der Critical Mass teilnehmen, einer Fahrraddemo in zahlreichen Städten am jeweils letzten Freitag im Monat. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl, und man erfährt: Ich bin nicht allein. Es gibt viele andere, die sich einmischen. Außerdem haben es die Reformer in der Politik dann leichter, strukturelle Veränderungen ins Werk zu setzen. Und Ihren Enkeln können Sie irgendwann erzählen: Ich habe Veränderungen durch lauten Protest eingefordert. Das fühlt sich richtig gut an.