Benötige ich eine Malaria-Prophylaxe, soll ich losfliegen, obwohl ich schon erkältet bin – und kann ich die ein Jahr alte Sonnencreme noch gebrauchen? Jedes Jahr vor dem Urlaub stehen viele von uns erneut vor solchen Entscheidungen. ZEIT Wissen beantwortet die wichtigsten Fragen für eine gesunde Reise.

1) Verliert abgelaufene Sonnenmilch ihren Schutzfaktor?

Es gibt in Cremes zwei Arten von Schutzfiltern: chemische und physikalische. Die chemischen Filter nehmen die Energie des Lichtes auf und bauen gefährliche Moleküle in ungefährliche um. Wird die Tube zu warm, werden die chemischen Schutzfilter in der Creme abgebaut – sie wirkt nicht mehr. Physikalische Filter verbrauchen sich dagegen nicht und sind oft länger als angegeben haltbar. Sie sind vor allem in Cremes mit höherem Lichtschutzfaktor für Babys und Kinder enthalten. Sie absorbieren oder reflektieren das Licht. Erwachsene benutzen sie nicht gerne, weil nach dem Eincremen weiße Schlieren auf der Haut zurückbleiben. "Cremes sind nach Ablauf der Mindesthaltbarkeitsdauer noch Jahre wirksam, wenn sie ungeöffnet und kühl gelagert werden", sagt der Dermatologe Christoffer Gebhardt vom Hauttumorzentrum am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der Haut schaden können sie nicht. Kleben aber Schmutz oder Sandkörner an der Tubenöffnung, riecht die Creme streng oder bröckelt, dann gehört sie in den Müll.

Ist es okay, Kinder zum Wandern zu zwingen?

Der Natursoziologe Rainer Brämer gibt eine klare Antwort: "Nein, bloß nicht." Brämer hat das Deutsche Wanderinstitut in Marburg gegründet und den langen Spaziergang über Jahrzehnte erforscht. Seine Studien zeigen, dass Erwachsene und Kinder Unterschiedliches in der Natur suchen. "Erwachsene gehen los, um sich zu entspannen, die Landschaft zu genießen und ihren Körper herauszufordern." Kinder dagegen seien erlebnisorientiert und suchten das Abenteuer. "Sie verlassen gerne den Weg, drehen Steine um und rennen auch mal einen Berg hinauf." Mit den Wünschen der Eltern passe das meistens nicht zusammen. "Das ist die Krux bei Familienwanderungen, deswegen haben viele sie in schlechter Erinnerung."

Sportwissenschaftler Arno Müller sieht das ähnlich. Er bildet Sportlehrer an der Universität Paderborn aus. "Mit Zwang erreichen Eltern meistens das Gegenteil." Besser sei es, Kindern Lust am Wandern zu machen. Beispielsweise können die Erwachsenen eine – dem Alter der Kinder angemessene – Schnitzeljagd oder eine Schatzsuche integrieren oder andere Anreize schaffen: "Meine Eltern haben mir früher alle 500 Meter ein Stück Marzipan gegeben", sagt Müller, "sonst wäre ich niemals mitgegangen."

In welchen Gewässern sollte ich besser nicht schwimmen?

Leuchtet das Wasser hellgrün, wuchern Schlingpflanzen am Ufer oder rollen mächtige Wellenberge auf den Strand, weiß jeder: Baden kann hier gefährlich sein oder ungesund. Die Europäische Badegewässerrichtlinie regelt für rund 21.000 Badestellen an der Küste und an Binnengewässern die Wasserqualität. Untersucht werden drei- bis viermal pro Badesaison (von Mai bis September) zwei bakterielle Parameter: Escherichia coli (Kolibakterien) und Intestinale Enterokokken, die als Indikatoren einer fäkalen Verschmutzung dienen. Zusätzlich werden häufig auch Wassertemperatur, pH-Wert, Färbung, Trübung, Geruch und Algenvorkommen festgestellt.

In den letzten Jahren waren rund 95 Prozent der europäischen Badegewässer in einem guten oder ausgezeichneten Zustand. Als Badegewässer gilt jeder Abschnitt eines Gewässers, an dem mit einer großen Zahl von Badenden zu rechnen ist und für den kein dauerhaftes Badeverbot erlassen wurde. Schilder weisen auf ein mögliches Badeverbot hin.

Es gibt aber auch Gewässer, die auf den ersten Blick sauber erscheinen, es aber nicht sind: etwa durch multiresistente Keime, Enten- oder Hundekot und landwirtschaftlichen Dünger. Grundsätzlich gilt: Trübes Wasser ist kein Zeichen für schlechte Qualität. Und klares Wasser kann belastet sein, ohne dass es zu sehen ist, beispielsweise durch Bakterien.

Vier Regeln für ein gesundes und sicheres Baden: Nur an kontrollierten Badestellen, nicht nach Starkregen, nicht in Flüssen, nicht in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen, Hafen- und Industrieanlagen.

Soll ich mich von Mücken stechen lassen?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Magazin 4/18.

Wenn die Mücke zum Stich ansetzt, verabreicht sie uns einen Eiweißcocktail. Dieser verringert die Blutgerinnung: Die Mücke kann das Blut aufnehmen, ohne dass es verklumpt. Die Eiweiße hemmen auch unsere Nervenempfindungen. Wer einmal von einer Mücke gestochen wurde, reagiert weniger empfindlich auf weitere Stiche. Das Immunsystem lernt, mit dem Eiweißcocktail umzugehen. Trotzdem rät Doreen Walther davon ab, sich nicht gegen Mückenstiche zu schützen. Die Biologin erforscht die Insekten am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg.

In Deutschland gibt es 50 verschiedene Stechmückenarten. Jede davon verabreicht uns ihren eigenen Eiweißcocktail. Zudem besitzt jeder Mensch ein anderes Immunsystem: Die einen bekommen Quaddeln, die anderen merken nichts.

Die hierzulande lebende Gemeine Hausmücke ist vor allem lästig: Sie ist in fast jeder Regentonne zu finden. Vermehrt gibt es in Deutschland jedoch auch tropische Arten wie Tigermücken, und die können bedrohlich werden. Sie können Viren auf den Menschen übertragen, die dann Krankheiten auslösen wie das Denguefieber oder eine Zika-Infektion – Krankheiten, die in der Regel nicht tödlich, aber häufig schwer verlaufen können.