Gibt es ein Geheimrezept gegen Reisedurchfall?

"Koch es, schäl es, oder vergiss es" – dieser Rat hilft leider selten. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Reisedurchfall eines der Gesundheitsprobleme, unter denen Urlauber besonders leiden. Fragen zu Magen und Darm im Urlaub an den Reisemediziner Tomas Jelinek.

Sollte ich mir den Imbiss am Straßenstand grundsätzlich verkneifen?

Manche Menschen ernähren sich auf Reisen nur aus Dosen. Damit kasteien sie sich, und es entgehen ihnen kulinarische Erfahrungen. Mit dem eigenen Verhalten kann man weniger bewirken, als man denkt. Natürlich sollte man sich vor dem Essen die Hände waschen – das schützt immer. Aber es ist schwierig, jede Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Keime können überall sein, auch auf dem Teller im teuren Restaurant.

Wie kann man sich trotzdem schützen?

Indem man sich vor einer Reise gegen Cholera impfen lässt. Diese Impfung hilft nämlich auch gegen enterotoxische E.coli-Bakterien (ETEC), die für die häufigsten Reisedurchfall-Erkrankungen verantwortlich sind. Studien zeigen, dass sich das Risiko für Reisedurchfall so um bis zu 50 Prozent reduzieren lässt. Außerdem sollte man etwas für die akute Behandlung dabeihaben, beispielsweise ein Antibiotikum, das nur im Darm wirkt. In Notfällen kann auch ein Breitband-Antibiotikum helfen.

Stimmt es, dass Hefepilze vor Darmerkrankungen schützen können?

Studien zeigen, dass Hefepilze nur bei rund acht Prozent der Urlauber einen gewissen Schutz bieten. Wer zu diesen acht Prozent gehört, hat sein "Geheimrezept" gefunden.

Wirkt scharfes Essen antibiotisch?

Seit mehr als 4.500 Jahren bauen die Menschen in Südamerika Chilis an. Mindestens ebenso lange verwenden die Menschen in Asien Ingwer und Wasabi. Sie würzen mit den Wurzeln nicht nur ihr Essen, sondern behandeln damit auch Erkältungen und Übelkeit. Ob die Scharfstoffe in den Gewürzen wirklich Bakterien abtöten können, haben zahlreiche Forscher untersucht – auch um alternative Antibiotika zu entwickeln. Die Ergebnisse der Experimente scheinen vielversprechend. Die Scharfstoffe Capsaicin (Chili), Gingerol (Ingwer) und Allylisothiocyanat (Wasabi) sollen gegen Erreger wirken, die Magen-Darm-Erkrankungen auslösen, darunter Helicobacter pylori und E. coli. Der Neurobiologe Peter Reeh von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg ist hingegen skeptisch: "Ich bezweifle sehr, dass Capsaicin, Gingerol und Allylisothiocyanat antibakteriell wirken." Wer Chili isst, spürt ein Brennen im Mund. Dieses entsteht, weil das Capsaicin bestimmte Rezeptoren in den Nervenzellen aktiviert. "Diese Rezeptoren sind hochkomplexe Eiweiße. So etwas Raffiniertes besitzen Bakterien nicht", sagt Reeh. Und wo keine Rezeptoren sind, kann nichts reagieren. "Die Experimente wurden unter Laborbedingungen durchgeführt – mit hohen Konzentrationen und mit gezüchteten Zellkulturen", sagt Reeh. Gebe man ein Körnchen reines Capsaicin auf eine menschliche Nervenzelle, gehe diese ebenfalls zugrunde.

Auch Allylisothiocyanat-Öl aus Wasabi ist eine hochaggressive Substanz, die mit dem Tränengas verwandt ist. Tippt man mit einem Wattestäbchen hinein, schmilzt das Plastik nach kurzer Zeit. Solche Konzentrationen können Menschen nicht übers Essen zu sich nehmen. "Aber wir wissen, dass scharfe Substanzen Neuropeptide freisetzen", sagt Reeh. "Diese Botenstoffe steigern die Durchblutung und machen die Gefäße durchlässiger." Der Körper lockt Abwehrzellen herbei, die dann die Bakterien bekämpfen.

Wie verhalte ich mich richtig bei hoher Luftfeuchtigkeit?

Um seine Körpertemperatur auf unter 37 Grad Celsius zu halten, strahlt der Körper Wärme ab, wenn es heiß ist. Genügt das nicht, fängt er an zu schwitzen. Durch Wärme und Wind verdunstet der Schweiß – der Körper kühlt ab. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Luft trocken genug ist. Je feuchter sie ist, desto weniger Wasser kann sie aufnehmen. Dann tropft der Schweiß von der Haut, aber es tritt kein Kühleffekt ein. Versagt das körpereigene Kühlsystem, droht ein Hitzschlag.

Was hilft: viel trinken. Bis sich die menschliche Schweißproduktion an ein feuchtwarmes Klima angepasst hat, dauert es etwa drei bis fünf Tage. In dieser Zeit sollte man sich wenig anstrengen, leichtes Essen zu sich nehmen und lockere Kleidung tragen. Feuchtwarme Luft schafft übrigens ideale Wachstumsbedingungen für Pilze auf der Haut: Wer vorbeugen will, trägt Babypuder auf die empfindlichen Hautstellen auf.

Malariaprophylaxe: Stand der Forschung?

Vor Malaria schützen nur zwei Maßnahmen, sagt die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) in Hamburg. Erstens: verhindern, dass die Anopheles-Mücke zusticht. Das Insekt nimmt seine Blutmahlzeit vor allem nachts ein. In Risikogebieten verbringt man Abende daher am besten im Haus und schläft unter einem Moskitonetz. Lange Kleidung erschwert es der Mücke zudem, das Blut ihres Opfers anzuzapfen. Auch Insektizide schützen, weil die Tiere sie nicht gern riechen. Es gibt sie in Form von Hautcremes, Sprays oder Verdampfern. Der zweite Weg, sich zu schützen: vor Reiseantritt Medikamente einnehmen. Die DTG empfiehlt dies Reisenden, die nach Subsahara-Afrika wollen. Auch Teile von Südamerika und Ozeanien gelten als risikoreich. Wer Indien oder Mittelamerika zum Ziel hat, sollte Medikamente für den Notfall einpacken. Umfragen zeigen, dass jeder dritte Urlauber, der in ein Malariagebiet reist, diesen Rat nicht ernst nimmt.

Unter bestimmten Bedingungen kann man übrigens auch in einem Risikogebiet Urlaub machen, ohne sich anzustecken. Die Anopheles-Mücke kann die Malaria nur übertragen, wenn sie vorher einen infizierten Menschen gestochen hat, sagt Jürgen May. Der Infektionsepidemiologe forscht am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Trägt in einem Umkreis von vier Kilometern (so weit fliegt das Insekt im Schnitt) niemand den Erreger in sich, steckt sich auch keiner an. "Der Mensch kann aber viele Monate, sogar Jahre infiziert sein, ohne zu erkranken", sagt May. Während dieser Zeit kann die Mücke den Parasiten aufnehmen und verbreiten. In den ersten Tagen nach einer akuten Infektion sind die Erreger dagegen nicht übertragungsfähig.

Ist Mückenspray gesundheitsschädlich?

Mückensprays, die man auf die Haut sprüht, um Mücken abzuwehren, halten manche für gesundheitsschädlich. Auch weil Schwangere, Stillende und jüngere Kinder sie zum Teil nicht verwenden sollen. In Deutschland müssen Mückensprays allerdings zugelassen sein, bevor sie auf den Markt kommen. Dafür ist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zuständig. Sie prüft, ob ein neues Mittel schädlich für die Gesundheit oder die Umwelt ist. 20 Mückensprays sind in der Datenbank der BAuA gelistet, 16 davon enthalten das chemische Abwehrmittel Diethyltoluamid. Studien belegen aber, dass der Wirkstoff, richtig angewandt, für den Menschen ungefährlich ist.