1. Meine Argumentation wurde als Freibrief für bedenkenloses Fliegen kritisiert. Nichts könnte falscher sein: In meinem Artikel betone ich, dass ich Inlandsflüge für unsinnig halte und häufiges Herumjetten für Kurzurlaube fragwürdig finde. Selbstverständlich sollten Flugreisen nur in Fällen unternommen werden, in denen es noch keine praktikable Alternative gibt. Aber weil der weltweite Flugverkehr derzeit deutlich weniger zu den menschengemachten Treibhausgas-Emissionen beiträgt als einige andere Sektoren, halte ich ihn nicht für den entscheidenden Hebel, um die Emissionen in den nächsten Jahren rasch zu senken.

2. Im Pariser Klimaabkommen hat sich die Staatengemeinschaft verpflichtet, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das bedeutet: Ab 2050 darf kein CO₂ mehr emittiert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht jeder Staat einen Plan, in welchen Schritten Emissionsquellen reduziert und schließlich ganz beseitigt werden sollen. Was derzeit noch nicht substituiert werden kann, sollte in dieser Roadmap nach hinten geschoben werden. Emissionsquellen hingegen, die nach heutigem technischem Stand in wenigen Jahren ersetzt werden können und dabei bedeutende Einsparungen bringen, sind zuerst dran. Dies trifft auf die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle ebenso zu wie auf Verbrennungsmotoren. Die Alternativen hierzu sind bereits vorhanden – mit Regulierungen und finanziellen Anreizen kann der Umstieg beschleunigt werden.

3. Fluglinien und Flugzeughersteller müssen über eine Kerosin- und eine CO₂-Steuer dazu gedrängt werden, klimaneutrale Antriebstechnologien zu entwickeln, wenn sie weiterhin günstige Flugreisen anbieten wollen. Wer beispielsweise nicht in Power-to-Liquid-Treibstoffe investiert, ist dann bald raus aus dem Markt. Folge: Der fossile Flugverkehr nimmt ab.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Magazin 4/19. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

4. Massenhafter individueller Verzicht sei ein wesentlicher, wenn nicht gar der wichtigste Hebel, um eine wirksame Klimapolitik in Gang zu setzen, wurde mir entgegengehalten. Ich bin anderer Meinung. Der Ausbau der erneuerbaren Energien, eine der bedeutendsten Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte, ist nicht das Ergebnis von Verzichtsakten gewesen, sondern eines entschlossenen staatlichen Eingriffs in den Markt: des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, das von zahlreichen Staaten übernommen wurde. Ein solcher Eingriff kann aus Einsicht seitens der politischen Entscheider geschehen oder politischem Druck folgen, wie ihn die Anti-Atomkraft-Bewegung ausgeübt hat. In diesem Sinne sind die heutigen Aktivisten von Ende Gelände und im Hambacher Forst, die für einen raschen Kohleausstieg streiten, die derzeitige Avantgarde der Klimapolitik – wenn ihr viele folgen, könnte in relativ kurzer Zeit eine substanzielle Verringerung der CO₂-Emissionen erreicht werden. Ich behaupte: schneller als über viele einzelne Verzichtsentscheidungen.

PS: Nein, ich bin nicht mit der Firma verwandt.