Am Anfang drei Fragen

1. Können wir Sucht übertragen?

Sucht ist eine moderne Volkskrankheit - und ansteckend, sagt Reinhard Haller. Der Suchtforscher und ehemalige Klinikdirektor aus Österreich beschreibt in seinem Buch "Nie wieder süchtig sein", wie Sucht entsteht und wie man sie überwindet.

Die Artikel finden Sie im ZEIT WISSEN Magazin 4/2019. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

Der Hirnforscher Marc Lewis war als Student selbst abhängig von Morphium. Er sieht Sucht nicht als Krankheit, sondern als Gewohnheit, die zu verlernen ist. Das schreibt er in seinem Buch "The Biology of Desire - Why Addiction Is Not a Disease".

Helle Larsen erforscht als Psychologin an der Universität Amsterdam das Zusammenspiel sozialer und individueller Faktoren im Suchtkontext. Für eine Studie zu Gruppendynamiken beobachtete sie das Trinkverhalten von Menschen in einer Bar.

Alkoholsucht ist zum Teil genetisch bedingt, weist ein Forscherteam um Kenneth Kendler von den Universitäten in Richmond und Malmö nach.

2. Sind Könige glücklich?

Erfolg macht Menschen glücklicher, aber das Glück der Menschen hat auch Auswirkungen auf ihren Erfolg, stellen die Psychologin Sonja Lyubomirsky und ihre Kollegen fest.

Jennifer L. Aaker fand heraus, dass Aktivitäten, die eine hohe persönliche Bedeutung oder eine starke prosoziale Komponente haben, glücklich machen können.

Einen Überblick darüber, ob Geld glücklich macht, beantwortet der Wissenschaftsbereich der "Positiven Psychologie" mit dem Phänomen des "Wohlstandsparadox".

Der japanische Kronprinz führt schon sein ganzes Leben ein sehr behütetes – Kritiker sagen: eingesperrtes – Leben, wie dieser Bericht zeigt.

Reportagen über den Bhutan zu finden, fällt schwer – schließlich kamen viele Jahre lang nur sehr wenige Ausländer in das kleine Land am Himalaya. Diese Reportage von 1994 gibt interessante Einblicke in das verschlossene Land.

Eine ausführliche Beschreibung des Bruttonationalglücks aus bhutanesischer Perspektive hat die in Bhutahn lebende Autorin Linda Leaming aufgeschrieben.

3.  Ist Schönheit friedlich?

Stadtplaner und Architektursoziologe Harald Bodenschatz hat im Deutschen Architektenblatt über schwierige Schönheit geschrieben. Der Titel seines Aufsatzes lautet: "Darf dieser Bau schön sein?".

Der WDR-Film "Asma al-Assad – Das schöne Gesicht der Diktatur" handelt von dem syrischen Präsidentenpaar und zeigt, dass Schönheit manchmal blenden kann.

Winfried Menninghaus forscht am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik. In seinem Beitrag "Schönheit – Leben – Tod", erschienen im Buch "Die Macht der Schönheit" beschäftigt er sich mit der Evolution von Aussehenspräferenzen. Menninghaus hat außerdem das Buch "Das Versprechen der Schönheit" geschrieben.

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Umschalten!

Kognitive Räume als universeller Code des Denkens: einen Fachartikel dazu von Christian Doeller und Kollegen findet man hier.

Hier gibt der kanadische Psychologe Stephen Monsell einen Überblick über die Geschichte und den Stand der Forschung zum Task Switching.

Und hier ein Forschungsbericht des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften zur Frage, welche Rolle die Antwortmodalitäten, also zum Beispiel Sprechen vs. Schreiben, beim Aufgabenwechsel haben.

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Die Ostsee

Hansjörg Küster hat eine lesenswerte Natur- und Kulturgeschichte bei C.H. Beck mit dem Titel "Die Ostsee" geschrieben. Erschienen 2004 in einer Sonderausgabe, historisch fundiert.

Christoph Neidharts "Ostsee"-Buch mit dem Untertitel "Das Meer in unserer Mitte" stammt von 2003 (mare Verlag), ist also für ein Sachbuch alt, doch der Autor schafft erstaunliche Bezüge, die auch nach 15 Jahren noch gültig sind.

Ein sehr fundiert-sachliches Buch ist der Fotoband "Mare Balticum" von Rolf, Matthias und Inge Reinicke. Es beschäftigt sich vor allem mit den Küstenlandschaften der Ostsee. Erschienen 2018 im Demmler Verlag.  

2017 im Springer-Verlag erschienen ist das Buch "Faszination Meeresforschung".

Der Filmemacher Volker Koepp hat der Ostsee 2018 mit seinem Film "Seestück" ein filmisches Denkmal gesetzt. Ganz großer Auftritt für Wellen, Himmel und die Menschen, die dazwischen leben.

Ein zweiter Film, aber längst nicht so poetisch wie Koepps "Seestück" ist "Die Ostsee von Oben".

Es sind zwei literarische Texte, deren zentraler Schauplatz die Ostsee vor historischem Hintergrund bildet, die sowohl literarisch als auch geschichtlich interessant sind: Der schmale Band "Im Krebsgang" von Günter Grass und "Jahrestage" von Uwe Johnson. Wir haben von Grass die 1. Auflage von 2002, erschienen bei Steidl, und von Johnson die Suhrkamp-Ausgabe von 2005 benutzt.

Zur geologischen Entstehungsgeschichte der Ostsee und ihre Auswirkungen bis heute findet man Grundlegendes in diesem Paper von Klaus Schwarzer u.a. Auch hier nachzulesen.

Der Bericht der Helsinki-Kommission über den Zustand der Ostsee fasst grundlegende und aktuelle Daten des Binnenmeeres zusammen.

Warum die Ostsee eine Zeitmaschine ist, steht in The Baltic Sea as a time machine for the future coastal ocean, erschienen in Science Advances 4. DOI: 10.1126/sciadv.aar8195

In der Forschungsvilla Ostsee am IOW Warnemünde befindet sich eine ständige Ausstellung über die Ostsee. Ein Besuch – bei Regenwetter – lohnt sich, auch für Kinder und Jugendliche.

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Gebrauchsanleitung für ein Gefühl

Gesprächspartner: Friedrich Götz promoviert an der Universität Cambridge mit Fokus auf den Themen Heimweh und Fernweh – "Wanderlust". Die Ergebnisse seiner Studie unter Studierenden im Auslandssemester sind hier nachzulesen.

Bernhard Verbeek ist Evolutionsbiologe und beleuchtet im Sammelband der Eberswalder Beiträge zu Bildung und Nachhaltigkeit "Vom Sinn der Heimat" das Heimatgefühl aus naturwissenschaftlicher Perspektive.

Die amerikanische Kulturhistorikerin Susan J. Matt lehrt an der Weber State University in Utah und hat in ihrem Buch "Homesickness: An American History" über das Heimweh im Verlauf der amerikanischen Geschichte geschrieben. In ihrem Artikel "The New Globalist is Homesick" ist auch ihre Einschätzung der jetzigen Situation nachzulesen. Zum Zusammenhang zwischen Identität und Migration empfiehlt sie das Buch "Psychoanalytic Perspectives on Migration and Exile" von Leon und Rebecca Grinberg.

Die Psychologin Beate Mitzscherlich forscht an der Fachhochschule Zwickau unter anderem zu Identität und Beheimatung.

Studien: Das aktuellste Modell des Heimwehs hat die Psychologin Margaret Stroebe an der Universität Utrecht entwickelt. Einen guten Überblick zur empirischen Forschung über das Heimweh bis zur Jahrtausendwende gibt dieser Review, neuere Entwicklungen dieser. Weitere Studien untersuchen das Vorkommen von Heimweh, bei ausländischen Angestellten und bei Studierenden in den USA, außerdem die Korrelation mit Internetsucht. Zu Therapien gegen Heimweh haben deutsche und eine malaysische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geforscht. Daten zur Migration weltweit bietet der UN Migration Report von 2017.

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Die Zumutung

Shibley Hydes zeigte in einer vielzitierten Studie, dass es viel mehr Ähnlichkeiten zwischen den Geschlechtern gibt als Differenzen.

Diese Studie zeigt, dass die Orgasmusfähigkeit weniger an der Anatomie als am Sexualpartner liegt.

Im "International Journal of Surgery" beschreiben Wissenschaftler, wie bei einem Mann während einer Leisten-OP eine Gebärmutter gefunden wurde. Der Mann war 70 Jahre alt und Vater von mehreren Kindern.

Das Buch "Intersexualität kontrovers", herausgegeben von Katinka Schweizer und Hertha Richter-Appelt, gibt einen guten Überblick über Grundlagen, Erfahrungen und Positionen zu Intersexualität.

In ihrem Buch "Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts" schreibt Mithu Sanyal über die verschiedenen Darstellungen des weiblichen Genitals im Laufe der Zeit.                   

Historisch:

In seinem Buch "On the Curability of Certain Forms of Insanity, Epilepsy, Catalepsy, and Hysteria in Females" empfahl Isaac Baker Brown 1866 die Klitoridektomie (Entfernung der Klitoris) als eine Behandlungsform gegen Hysterie und andere Krankheiten.

William Acton schrieb in seinem Buch "The functions and disorders of the reproductive organs" (erste Auflage 1857) fast ausschließlich über den Mann. Mit Ausnahme seiner Beschreibung der weiblichen Unlust.

Sigmund Freuds "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" von 1905 können hier gelesen werden.

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Mobilität der Zukunft

Die Zahl der Studien zur Mobilität der Zukunft ist groß, denn Elektromobilität, autonome Fahrzeuge und Ride Pooling, aber auch Radverkehr und eine andere, fußgängerfreundliche Stadtentwicklung gelten als wichtige Trends für die kommenden Jahre. Hier ist eine Auswahl:

  • "The Future of Mobility 3.0" der Unternehmensberatung Arthur D. Little (2018); interessant ist hierin der Blick auf die unterschiedlichen Voraussetzungen von drei Arten internationaler Metropolen für eine neue Mobilität.
  • "Verkehrswende für Deutschland. Der Weg zu CO2-freier Mobilität bis 2035", herausgegeben von Greenpeace (2017); die Kurzfassung der vom Wuppertal Institut erstellten Studie bietet einen guten Überblick, was bis 2035 zu tun ist.
  • "Städteranking zur nachhaltigen Mobilität", herausgegeben von Greenpeace (2017); das von Urbanista erarbeitete Städteranking bietet eine Fülle hochinteressanter Statistiken zu deutschen Großstädten – darin finden sich manche Überraschungen.
  • "Die Evolution der Mobilität", herausgegeben vom ADAC (2017); die vom Zukunftsinstitut angefertigte Studie wirft vor allem einen Blick auf die Mobilitätsbedürfnisse verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und kommt so von einer technikgetriebenen Betrachtung weg, wie sie für IT- und Autounternehmen charakteristisch ist.
  • "A time of unprecedented change in the transport system" vom britischen Government Board of Science (2019); die im Januar 2019 veröffentlichte Studie beschäftigt sich zunächst mit der Geschichte des Verkehrs in einem Industrieland, in diesem Fall Großbritannien, sowie den heutigen Herausforderungen und entwirft dann verschiedene Szenarien für das Jahr 2040.

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Bücher

Wir danken der Lindauer Nobelpreisträgertagung für Unterstützung bei unserer Rubrik "Das lesen Nobelpreisträger".

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Komm, wir messen das selber

Bauanleitung für den Feinstaubsensor:

Die Bauanleitung orientiert sich an dem Projekt https://luftdaten.info/.

Sparfüchse bestellen die Bauteile direkt in China und warten zwei bis drei Wochen auf die Lieferung. Bequemer: den Bausatz für 43 Euro im Elektronik-Versand bestellen (zum Beispiel bei eckstein-shop.de).

Die Firmware, eine Datei namens "latest_de.bin", durch anklicken dieses Links downloaden. Die Software "NodeMCU-PyFlasher"  von dieser Webseite herunterladen, installieren und starten (Die Installationsdatei findet man unter "Assets", siehe Screenshot):

Den Microcontroller "NodeMcu ESP8266" mit dem USB-Kabel anschließen und die Firmware darauf überspielen. So sieht das im Programm NodeMCU-PyFlasher aus:

(An diesem Schritt könnte man – je nach Computer – scheitern: Damit der Computer und der Mikrocontroller über USB kommunizieren, muss eventuell vorher ein Treiber installiert werden, wie auf luftdaten.info beschrieben. Auch heise.de stellt die Treiber zum Download bereit)

Registrieren Sie den Sensor auf meine.luftdaten.info mit der Nummer des Sensors (wie im ZEIT WISSEN-Magazin beschrieben)

Eine gute Darstellung der Daten findet man auf feinstaub.rexfue.de (oben auf der Seite die Nummer des eigenen Sensors eingeben.

Quellen zum Artikel:

In Deutschland werden die WHO-Empfehlungen für Partikel unter 10 Mikrometer (PM10) an vier von fünf Messstationen überschritten, die Grenzwerte für Partikel unter 2,5 Mikrometer (PM2,5) an fast allen Stationen. Das schreibt das Umweltbundesamt im Luftqualitätsbericht für 2018,

Die Messdaten der Firma Breeze Technologies sind hier zu finden.

Die Messdaten des Hamburger Luftmessnetzes sind hier zu finden.

Die Messdaten der offiziellen Luftmessstationen listet das UBA hier auf.

Umweltwissenschaftler der Universität Breslau haben billige Feinstaubsensoren vier unterschiedlicher Hersteller ein halbes Jahr lang mit einem kalibrierten Hightech-Gerät verglichen. Der Fachartikel ist hier zu finden. Probleme der Billigsensoren bei relativen Luftfeuchtigkeiten oberhalb von 80 Prozent diagnostiziert auch die WMO. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg hat den Sensor SDS011 genauer unter die Lupe genommen. Hier die Ergebnisse.

Der Abstand der Messgeräte zu Kreuzungen, Bäumen, Häusern und Balkonen, die Höhe der Ansaugrohre, die Position zur Hauptwindrichtung – alles ist penibel geregelt in der 39. Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen, Anlage 3.

Im Jahr 2017 haben Kamine und Holzheizungen im Bundesdurchschnitt fast soviel Feinstaub unter 2,5 Mikrometern ausgestoßen wie Autos, Lastwagen und Busse. Das zeigen  die Daten des Umweltbundesamts. (Holzverbrennung und Verkehr tragen jeweils knapp 20 Prozent bei, die Industrie verursacht knapp 40 Prozent).

Auf dieser Seite schreibt das Bundesumweltministerium über Holzpelletheizungen.

Ansichten des UBA zu Feinstaub aus Holzbefeuerung.

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