Nach 1815 ändert sich die Situation. Die Restauration hält Einzug. Arndts massive Fürstenschelte im vierten Teil seines Geistes der Zeit (1818) führt zu einem Eklat. Der Held der Freiheitskriege wird 1820 in Folge der Karlsbader Beschlüsse von seiner Professur für Geschichte an der Universität Bonn suspendiert. Erst im Juli 1840 begnadigt ihn Friedrich Wilhelm IV. Und ein letztes Mal noch steht Arndt - mittlerweile 79jährig - auf der politischen Bühne. Vom "stählernen" Kreis Solingen gewählt, zieht er 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung ein. Ihm zu Ehren erheben sich die Abgeordneten und singen sein zum Volkslied avanciertes Was ist des deutschen Vaterland? Republikanische Ideen wird Arndt jedoch als rechter Liberaler weiterhin verschmähen. Enttäuscht verläßt er das Parlament nach der Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. Hochbetagt und hochverehrt, stirbt er am 29. Januar 1860 in Bonn.

Bei allem Respekt für den mutigen und zuweilen kauzigen Publizisten - die Basis seines Denkens bildet eine rassistische, in Ansätzen biologistische Völkerpsychologie: Klima und Sprachen grenzen für ihn die Völker naturgesetzlich voneinander ab, die durch göttliche Weisung an ihren Platz auf der Erde gestellt wurden.

Auf gefährliche Weise verändert Arndt das Differenzierungsaxiom Montesquieus, wonach jede Nation sich nach ihren klimatischen und kulturellen Besonderheiten entwickeln müsse. Die prinzipielle Einheit und Gleichheit des Menschengeschlechts hatte Montesquieu nie in Frage gestellt. Anders Arndt: Völker sind grundsätzlich unterschiedlich. Die Kerne der Nationen - Nation gleich Volk - bilden unveränderliche Nationalcharaktere, die von Gott "verliehen" wurden. "Die einzige gültigste Naturgrenze macht die Sprache. Die Verschiedenheit der Sprachen hat Gott gesetzt (...). Die verschiedenen Sprachen machen die natürliche Scheidewand der Völker und Länder, (...) damit der Reiz und Kampf lebendiger Kräfte und Triebe entstehe (...)." Auf zum Kampf der Nationen!

Eine Mischung - "Verbastardung der Nationen" - muß verhindert werden. Vor allem die mit französischem Blut, das "wie ein betäubendes Gift den edelsten Keim angreift". So wundert es nicht, daß Arndt auch vor einer Mischung mit jüdischem Blut warnt. Zwar sei durch den Übertritt zum Christentum in der zweiten Generation der "Same Abrahams" kaum noch zu erkennen, "aber die Tausende, welche die russische Tyrannei uns nun noch wimmelnder jährlich aus Polen auf den Hals jagen wird", "die unreine Flut von Osten her", bereiten ihm Bauchgrimmen. Zudem orakelt er von einer jüdisch-intellektuellen Verschwörung, "denn Juden oder getaufte und (...) eingesalbte Judengenossen habe sich der Literatur, der fliegenden Tagesblätter wohl zur guten Hälfte bemächtigt und schreien ihr freches und wüstes Gelärm, wodurch sie (...) jede heilige und menschliche Staatsordnung als Lüge und Albernheit in die Luft blasen möchten."

Zeitlebens arbeitet Arndt vehement am deutschen Überlegenheitsmythos und an deutscher Mission. Es sei "der kräftige lebensvolle und saftvolle Wildling, Germane genannt", dem Gott die edelsten geistigen und körperlichen Eigenschaften eingepflanzt habe. "Der Germane und die von ihm durchschwängerten und befruchteten", also kulturell germanisierten "Romanen" bilden den Höhepunkt der Menschheitsentwicklung und werden die "umwohnenden Völker fremder Art als Allherrscher beleben und leiten".

Zu seinem Bedauern stellt Arndt fest, daß die verzagten Deutschen bisher ihre nationalen Möglichkeiten nicht genutzt haben. "Wir spielen doch immer nur noch in deutschen Anfängen (...). Aber ich hoffe, die Deutschen werden (...) in einem großen Volkskampf mit Russen oder Franzosen, der uns zur Vollendung durchaus nothwendig seyn wird, durch den Geist, den sie wirklich vor allen Europäern tragen, endlich einmal ihr volles Volksland und Volksrecht, ihre Weltlehre und ihr Weltrecht erringen (...)."

So werkelt und meißelt Arndt fleißig am Mythos des nationalen Erlösers. "Es wird ja hoffentlich einmal eine glückliche deutsche Stunde für die Welt kommen und auch ein gottgeborener Held, (...) der mit scharfem Eisen und mit dem schweren Stock, Scepter genannt", das Reich "zu einem großen würdigen Ganzen zusammenschlagen kann".

Nun wahrlich, Arndts Traum sollte in Erfüllung gehen, dieser Führer kam! Und wenn heute die Universität Greifswald in einem Prospekt davon spricht, daß ",seine' Universität (...) in der Tradition auch seiner Ideen" stehe, so stellt sich die Frage, ob man in Greifswald (und andernorts, in den Kultusministerien und bei der Bundeswehr) überhaupt weiß, was es mit den "Ideen" des Ernst Moritz Arndt so auf sich hat.